Raubgut-Band restituiert aus der Provenienz Victor Mauthner
25. November 2016
von Markus Trapp — abgelegt in: Aktuelles — 3.938 Aufrufe

Sign. A/200159. In beluga mit Provenienz verzeichnet
Am 23. November konnte die Arbeitsstelle NS-Raubgut – Provenienzforschung der Stabi ein Buch nach Israel schicken, um es an die rechtmäßigen Erben zurück zu geben. In dem Buch war eher zufällig der Stempel von „Viktor Mauthner“ gefunden worden. Da der Band erst 1958 als Geschenk der Deutschen Forschungsgemeinschaft in die Bestände kam, war der Raubgut-Hintergrund zunächst nicht aufgefallen.
Es handelt sich um die „Zionistischen Schriften“ von Theodor Herzl in der 2. Auflage von 1920 – ein Klassiker der zionistischen Bewegung der europäischen Juden. Theodor Herzl begründete Ende des 19. Jahrhunderts den politischen Zionismus, der die Gründung eines eigenen Staates für alle Juden forderte. Ihm zu Ehren nannte eine kleine Gruppe Siedler vier Jahre später, 1924, eine Siedlung im damaligen Palästina. Bis heute heißt die dort entstandene Stadt im heutigen Israel „Herzlia“.
Schnell ließ sich recherchieren, dass der Name Mauthner im habsburgischen Österreich-Ungarn häufig war. Die Mauthners waren eine verzweigte jüdische Familie mit vielen, teilweise bedeutenden Mitgliedern.
Über Viktor Mauthner ließ sich in Erfahrung bringen, dass er 1894 im damals böhmischen Grünberg bei Gablonz geboren wurde und als Buchhalter in Prag tätig war.
Mit seiner Frau Anna hatte er die drei Söhne Shlomo, Benjamin und Pavel.
Während seine älteren beiden Söhne mit der Jugend-Aliyah, einer zionistischen Jugendorganisation, in den 30er Jahren nach Palästina emigrierten, gelang dies Viktor Mauthner nicht mehr. Im Spätherbst 1941 begannen, parallel zu Deutschland, die Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus dem besetzten „Protektorat Böhmen-Mähren“. Viktor Mauthner wurde mit seiner Frau und dem jüngsten Sohn, damals 15jährig, am 5. Juli 1943 zunächst in das Lager Theresienstadt deportiert, was von Prag nur etwa 60 Kilometer entfernt lag. Von dort wurden die drei Mauthners rund ein Jahr später nach Auschwitz weiterdeportiert und ermordet.
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Zwei Bücher reisen nach New York
21. April 2016
von Redaktion — abgelegt in: Schätze der Stabi — 3.088 Aufrufe
von Anna v. Villiez:
Vor sechs Jahren, im Mai 2010, restituierte die Stabi 6 Bücher des Frankfurter Rabbiners Ignatz Israel Bick an seine Tochter und berichtet darüber im Blog. Ignatz Bick war mit seiner Frau Mira 1939 über London in die USA ausgewandert, da sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft unter der antisemitischen Verfolgung litten und bedroht waren. Ihre Kinder hatten Deutschland angesichts der immer gefährlicheren Lage bereits verlassen. Ihr Hab und Gut hatten sie in Container verpackt und wollten es über den Hamburger Hafen in die USA ausschiffen lassen. Die Container wurden jedoch im Hafen von der Gestapo nach Kriegsbeginn beschlagnahmt und die Bücher am Ende als „Geschenke“ in die Stabi verbracht. 2010 konnten die Bücher der Tochter des Ehepaares Bick, Inge Isler, übersandt werden.
Inzwischen fanden sich in unseren Beständen zwei weitere Bände mit dem Besitzvermerk Ignatz Isaak Bick. Seine Tochter Inge ist inzwischen verstorben. Ihre beiden Söhne, Robert und Frank Isler (USA), entschieden sich nun, die Bücher als Spende dem Leo Baeck Institut in New York zu stiften. Die beiden Bände befinden sich seit Freitag auf dem Postwege nach New York, wo sie künftig in der Bibliothek des Leo Baeck Institutes genutzt werden können.
100 Bücher aus der Mädchenschule Mittell-Redlich und ihre wechselvolle Geschichte
25. Februar 2016
von Redaktion — abgelegt in: Ausstellungen und Veranstaltungen,Fachbibliotheken,Hamburg — 6.003 Aufrufe
Von Anna v. Villiez

Die kleine Ausstellung ist ab sofort im Philoturm (4. Stock) bis mind. Ende März zu besichtigen.
Die Bibliothek Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik im Philosophenturm widmet eine kleine Ausstellung einem speziellen Büchererbe: den Büchern aus der ehemaligen Mädchenschule Mittell-Redlich. Die Arbeitsstelle für Provenienzforschung der Stabi unterstützte die Bibliothek bei den Recherchen zu der spannenden Geschichte dieser Bücher, da der Verdacht nicht auszuschließen war, dass die Bücher als NS-Raubgut in den Bestände gelangt waren. Die Miniausstellung ist ab sofort in den Räumen der Bibliothek für Neuere deutsche Literatur (Philoturm, 4. Stock, Raum 450) zu sehen. Die Rechercheergebnisse sind in diesem Text zusammengefasst.
Im Frühjahr 2015 fielen in der Fachbereichsbibliothek Sprache Literatur Medien – Teilbibliothek Neuere deutsche Literatur im Philosophenturm eine Reihe von Büchern auf: Besitzvermerke und Exlibris wiesen entweder „Meta Mittell“ oder „Meta Redlich“ als Vorbesitzerinnen aus, in einigen fanden sich auch Stempel „Schule Mittell“. Die Bibliothek begann zu recherchieren, da ein Raubgut-Hintergrund nahelag. Schnell war herausgefunden, dass es sich bei den Vorbesitzerinnen um die Leiterinnen der ehemaligen Mädchenschule Mittell-Redlich gehandelt haben muss. Diese Mädchenschule hatte von 1904 bis 1939 Die Schule war bereits Gegenstand eines gründlichen historischen Aufsatzes von Renate Hauschild-Thiessen. Vgl.: Dies.: Mittell-Redlich, eine Hamburger Privatschule für Mädchen, in: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter, S. 191-201. bestanden. Es handelte sich jedoch um eine evangelische Schule.
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Restitution an Hermann Simon
23. Februar 2016
von Redaktion — abgelegt in: Aktuelles — 5.317 Aufrufe
Von Anna v. Villiez
Restitution von vier Büchern an Hermann Simon, Gründungsdirektor des Centrum Judaicum in Berlin

In den Büchern fanden sich zwei unterschiedliche Exlibris von Hermann und Rose Simon.
Anhand von zwei künstlerisch gestalteter Exlibris von Hermann und Rose Simon hatte die Arbeitsstelle Provenienzforschung vier Bücher, die ursprünglich aus der Theatersammlung Hamburg stammten, als Raubgut identifizieren können. Jetzt übersandte sie dem Enkel und Erben der Vorbesitzer, Hermann Simon, die Bände. Hermann Simon ist der Gründungsdirektor des Centrum Judaicum in Berlin.
Die Provenienzrecherche konnte in diesem Fall auf die Vorarbeiten der ZLB Berlin zurückgreifen. Dort war in einer Exlibris-Sammlung das Exlibris von Hermann und Rose Simon aufgetaucht und bereits restituiert worden.
Bei den durch die SUB nun restituierten Büchern handelte es sich um drei Bände von Ludwig Bellermann zum Verständnis von Schillers Dramen in einer Ausgabe von 1908. Des Weiteren fand sich auch in einer Euripides-Ausgabe von 1886 ein Exlibris von Rose und Hermann Simon. Beiden Exlibris wurden von dem Berliner Künstler Erich Büttner gestaltet.
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Buchstiftung an das Leo Baeck Institut
7. Dezember 2015
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Von Anna v. Villiez

Buchübergabe am 27.11.2015 an den Archivar des Leo Baeck Institutes, Aubrey Pomerance, durch Anna von Villiez und Maria Kesting (v.l.).
Am 27.11. konnten wir ein Buch an das Berlin Archiv des traditionsreichen Leo Baeck Institutes mit Hauptsitz in New York übergeben. Es handelte sich um „Die fünf Bücher Moses“, den so genannten Pentateuch, in einer Ausgabe von 1914.
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i24 zu Provenienzforschung an deutschen Bibliotheken
10. August 2015
von Markus Trapp — abgelegt in: Aufgelesen,Medienecho — 5.641 Aufrufe
Auf der israelischen Newsseite «i24», die zum gleichnamigen Fernsehsender gehört, ist ein Artikel zu Provenienzforschung an deutschen Bibliotheken erschienen. Die Journalistin Polina Garaev hatte dazu auch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung an der Stabi besucht.
In fact, in most of the major libraries across Germany, one can find books which were taken by the Nazis, but port cities such as Hamburg, have particularly extensive collections. “All books that came to the library between 1933 and 1945 are somewhat under suspicion,” admitted Dr. Anna von Villiez of the university’s library, “especially those which were donated to us by the Gestapo, according to the old ledgers, which luckily survived the war.”
Lesen Sie hier den englischsprachigen Artikel:
«Mission impossible: German libraries try to return Nazi-looted books»
Studentische Hilfskraft für die Arbeitsstelle Provenienzforschung
10. Juni 2015
von Markus Trapp — abgelegt in: Aktuelles — 3.255 Aufrufe
Die Stabi sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Studentische Hilfskraft für die Mitarbeit in der Arbeitsstelle Provenienzforschung – NS-Raubgut.
Auf den verschiedensten Wegen, z.B. über die Gestapo Hamburg, gelangten in der Zeit von 1933 – 1945 Bücher von Verfolgten des Naziregimes in unsere Bibliothek. Bis heute lagert dieses NS-Raubgut in den Bibliotheksmagazinen. Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese bedenklichen Zugänge aufzufinden und den rechtmäßigen Eigentümern bzw. deren Erben zurückzugeben.
Wir bieten Ihnen eine Anstellung von 20 Std. pro Monat zu einem Stundenlohn von 9,29 €.
Wenn Sie Interesse an der Mitarbeit bei dieser Aufgabe haben, über sichere schriftliche hebräische Sprachkenntnisse verfügen, Office Ihnen gut vertraut ist und ein sorgfältiger Umgang mit besonderen Materialien für Sie selbstverständlich ist und Sie idealerweise Erfahrung in Transliteration haben, dann freuen wir uns über Ihre Bewerbung.
Diese richten Sie bitte schriftlich oder per E-Mail bis zum 30.6.2015 an:
Dr. Anna von Villiez, Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg,
Anna.Villiez@sub.uni-hamburg.de.
Stellenausschreibung Tarifbeschäftigte/r E13
9. Dezember 2014
von Markus Trapp — abgelegt in: Aktuelles — 5.446 Aufrufe
An der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt folgende Stelle zu besetzen:
Zum nächstmöglichen Zeitpunkt suchen wir für die Arbeitsstelle für Provenienzforschung – NS-Raubgut eine/n
Tarifbeschäftigter/Tarifbeschäftigte E13
Wöchentliche Arbeitszeit: 19,5 Std., Stelle befristet auf 36 Monate.
Bewerbungsschluss: 01.01.2015 verlängert auf 15.01.2015
Ausführliche Informationen zur Bewerbung entnehmen Sie bitte diesem PDF.
Die Arbeitsstelle für Provenienzforschung – NS-Raubgut der SUB:
Auf den verschiedensten Wegen, z.B. über die Gestapo Hamburg, gelangten in der Zeit von 1933 – 1945 Bücher von Verfolgten des Naziregimes in unsere Bibliothek. Bis heute lagert dieses NS-Raubgut in den Bibliotheksmagazinen. Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese bedenklichen Zugänge aufzufinden und den rechtmäßigen Eigentümern bzw. deren Erben zurückzugeben.
Ihre Aufgaben:
- Recherche nach den Besitzern der verdächtigen Materialien in Archiven, Datenbanken etc.
- Ermittlung der Erben und Kontaktaufnahme
- Vorbereitung der Restitution der Materialien (juristische Abklärung bei den entsprechenden Stellen)
- Publikation der Ergebnisse und Teilnahme an wissenschaftlichen Fachtagungen und Kongressen
- Kooperation mit andern Kultureinrichtungen
Broschüre über die Arbeit der NS-Raubgutforschung in der Stabi
22. Mai 2014
von Markus Trapp — abgelegt in: Aktuelles — 3.631 Aufrufe
Die neu erschienene Broschüre dokumentiert die Arbeit des Projektes NS-Raubgut in der Stabi. Die Rolle der Bibliothek in der Zeit des Nationalsozialismus wird problematisiert, der Weg der verdächtigen Bücher in die Stabi nachvollzogen, die aufwändige Recherchearbeit nach den Besitzern bzw. deren Erben aufgezeigt.
Seit 2006 hat das Projekt zahlreiche Erfolge erzielt und insgesamt 17 Restitutionen vornehmen können.
Im Vorwort der Broschüre schreibt Gabriele Beger, die Direktorin der Stabi:
Auf den unterschiedlichsten Wegen ist so genanntes NS-Raubgut in deutsche Bibliotheken gelangt. Es sind beschlagnahmte, geraubte oder zwangsverkaufte Bücher, die den Bibliotheken von der Geheimen Staatspolizei oder der Reichstauschstelle angeboten oder im Antiquariatshandel erstanden wurden: Besitz von aus verschiedenen Gründen verfolgten Bürgern und Organisationen während der Zeit des Nationalsozialismus (1933 – 1945).
Diese bedenklichen Erwerbungen wurden in den Zugangsjournalen der Bibliotheken unter anderem als „Überweisungen“, „Geschenke“ oder „alter Bestand“ bezeichnet. Bis heute lagert dieses Raubgut in den Magazinen vieler Bibliotheken…
Sie finden die Broschüre zum Mitnehmen am Empfang der Stabi (im EG, gleich rechts nach dem Eingang) und im Hamburg Lesesaal (in der 1. Etage). Das 44-seitige Dokument kann auch hier im Format PDF heruntergeladen werden: Download der Broschüre (Dateigröße: 1,9 MB).
Studentische Hilfskraft für Projekt NS-Raubgut
16. September 2013
von Markus Trapp — abgelegt in: Aktuelles — 7.126 Aufrufe
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky sucht zum 1.11.2013
eine studentische Hilfskraft (20 Stunden / Monat)
zur Mitarbeit im Projekt NS-Raubgut in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg.
Die Bibliothek recherchiert nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut in ihren Beständen, dokumentiert die Ergebnisse und bereitet ggf. die Restitution vor.
Aufgabenbereiche:
- Recherche in den Katalogen der Bibliothek (Campus-Katalog)
- Dokumentation der Rechercheergebnisse
Voraussetzungen:
- Studium möglichst im Bereich des Bibliothekswesens oder der Geschichtswissenschaften
- Recherchekenntnisse in Pica und/oder anderen Datenbanken
- Interesse am Thema
Weitere Auskünfte erteilen Ihnen Maria Kesting (Tel. 42838-3351) und Ulrike Preuss (Tel. 42838-3348). Ihre Bewerbung richten Sie bitte per E-Mail bis zum 24. September 2013 an: kesting@sub.uni-hamburg.de
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