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Besuch aus England anlässlich einer Raubgut-Restitution

20. April 2018
von HS — abgelegt in: Aktuelles — 899 Aufrufe

Von Anna von Villiez.

Kürzlich hatte die Stabi Besuch aus England im Rahmen unserer Forschung zu NS-Raubgut. Die Familie Dublon kam, um persönlich Bücher aus dem Besitz ihrer Familie entgegen zu nehmen, die als Raubgut in die Bestände der Stabi während der Zeit des Nationalsozialismus gelangt und im Rahmen der Provenienzforschung entdeckt worden waren.

Widmung an Daniel Dublon im Buch

Der Band „Israel Goldschmidt, Israels Gebete: Das Gebetbuch der Synagoge in poetischer Verdeutschung, Mainz 1902“ wies durch eine Prägung auf dem Buchdeckel „Daniel Dublon“ als den Vorbesitzer aus. Das Buch war offenbar ein Geschenk zu seiner Barmizwah, wie eine Widmung im Buchdeckel andeutet.

Handschriftliche Eintragung von Henni Dublon

In einem weiterem Buch, das durch die Gestapo in die Bestände der SUB gelangt war, fand sich ein handschriftlicher Besitzvermerk von Henni Dublon: Salomon Herxheimer, Jesode ha-thora. Glaubens- und Pflichtenlehre für Israelitische Schulen, Leipzig : Roßberg, 1897.

Henni und Daniel Dublon stellten sich als Geschwister heraus, die zur sehr verzweigten, ursprünglich sefardischen Familie Dublon gehörten, die ihre Wurzeln in dem rheinland-pfälzischen Ort Wittlich hat. Wie viele seiner Vorfahren hatte auch Daniel Dublon als Viehhändler seinen Lebensunterhalt verdient. Er war, wie auch seine Schwester Henni, in Lüneburg geboren worden. Erst in den 1930er Jahren zog er nach Hamburg, nach dem Tod der Mutter zog auch Henni nach Hamburg. Daniel war in zweiter Ehe verheiratet.

„Kennkarte“ von Daniel Dublon, ca. 1938. Auf der Umschlagsseite stigmatisiert ihn ein großes „J“ als Juden. Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Sig. 351-11 17635


 

Seine Frau Hertha geb. Stern rettete sich 1939 mit ihrer Tochter (aus ihrer ersten Ehe) nach England. Daniel blieb aus ungeklärten Gründen in Hamburg, vermutlich plante er nachzukommen, was durch den Kriegsbeginn und später das Auswanderungsverbot 1941 verzögert und schließlich verhindert wurde.

Hilde Dublon (1924-1943) in Hamburg. Quelle: Ursula Randt / Reiner Lehberger, Hamburg 1999, S. 12

Daniel und Henni Dublon wurden zusammen mit Daniels geschiedener Frau Gretchen und der einzigen Tochter Hilde am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Henni wurde später weiterdeportiert nach Auschwitz und dort 1943 ermordet. Daniel Dublons Tochter Hilde starb 18jährig in Theresienstadt an Typhus, Daniel Dublon überlebte und wurde befreit.

Nach dem Krieg war er einer der ganz wenigen Juden, die sich wieder ein Leben in Deutschland vorstellen konnte. Er lebte in Hamburg, wo er die winzige Restgemeinde mit koscherem Fleisch belieferte. Er starb 1960 in Hamburg.

Direktorin Gabriele Beger übergab die Bücher an den Großneffen Alan Dublon

Direktorin Gabriele Beger übergab die Bücher an den Großneffen Alan Dublon

Die Bücher wurden an den Großneffen der Dublons übergeben: Alan Dublon, geb. 1950, der in Twickenham, Großbritannien, lebt. Er stiftete sie im Anschluss an das Emil-Frank-Institut in Wittlich, wo die Familiengeschichte archiviert ist und wo die Bücher allen Mitgliedern der verzweigten Familie Dublon zugänglich sein werden in Zukunft. Sein Besuch in Hamburg war auch für das Team der Arbeitsstelle Provenienzforschung – NS–Raubgut ein bewegendes Ereignis.

4 Antworten zu “Besuch aus England anlässlich einer Raubgut-Restitution”

  1. t-Met sagt:

    Heißt der Großneffe nun Alan Dublon (wie im letzten Absatz) oder heißt er Alan Cohn (wie in der Bildunterschrift

  2. HS sagt:

    Vielen Dank für Ihre Nachfrage! Uns ist in der Bildunterschrift ein Fehler unterlaufen. Der Neffe heißt Alan Dublon. Wir haben die Angabe bereits korrigiert.

  3. M. Bublitz sagt:

    Auch bei Bildunterschrift 2 wurde „Dublon“ fälschlicherweise durch „Cohn“ ersetzt, wenn ich nicht irre.

  4. HS sagt:

    Haben Sie besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Die Bildunterschrift ist geändert. Da sind uns zwei Restitutionen durcheinander geraten. Herzliche Grüße!

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