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Hamburger Stammbücher online

6. März 2023
von Markus Trapp — abgelegt in: Hamburg,Schätze der Stabi — 1.317 Aufrufe

Von Nele Leiner.

Hamburger Stammbücher

Hamburger Stammbücher

Im Februar 2023 konnte an der SUB ein weiteres besonderes Projekt abgeschlossen werden: die Digitalisierung von 350 Stammbüchern aus Hamburg. Dabei wurden Bestände der SUB, der Bibliothek des Museums für Hamburgische Geschichte (MHG) und der Bibliothek des Altonaer Museums (AM) digital zusammengeführt. Stammbuch meint hier nicht den Nachweis von Familienabstammungen, sondern vielmehr den Vorläufer der noch heute bekannten Poesiealben oder Freundschaftsbücher. Freunde, Bekannte, Persönlichkeiten trugen sich dazu mit einem Gruß und kleinem eigenen Text ein, gerne mit Zeichnungen in verschiedenster Form oder Stickereien ergänzt. Auch die Einbände waren teilweise kunstvoll gestaltet. Die Kulturtechnik entwickelte sich Ende des 16. Jahrhunderts und erlebte ab dem 18. Jahrhundert bis zu ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Hochzeit. Besonders beliebt war das Stammbuch zuerst bei Studenten.

Stammbücher dienen als Quelle und Forschungsgegenstand für die Netzwerk- und Familienforschung, sie geben uns Einblicke in die Sozial- und Bildungsgeschichte. Der nun vorliegende digitalisierte Bestand der Hamburger Einrichtungen belegt somit im besonderen die persönlichen Netzwerke Hamburgs, von bekannten Stadtpersönlichkeiten bis Privatpersonen, ein Einblick in Kultur und Gesellschaft der Stadt von Beginn des 17. bis dem frühen 20. Jahrhundert.

Die Digitalisierung selbst dient dabei einerseits als Bestandsschutz der unikalen Bände im Original. Andererseits ermöglicht die Digitalisierung einen einfachen Zugang für Forschung und andere Interessierte. Alle digitalisierten Stammbücher stehen unter Public Domain Mark von Creative Commons und können so frei verbreitet und weiter genutzt werden.

Eingeklebte Pflanzen in einem Stammbuch

Eingeklebte Pflanzen in einem Stammbuch

Bis am Ende das Digitalisat online auf Hamburger Kulturgut digital zu finden ist, müssen einige Schritte erfolgen. Wenn in der hauseigenen Medienwerkstatt die Bearbeitung externer Bestände übernommen wird, muss die Logistik organisiert werden, damit die sensiblen Bestände erstmal in geeigneter Verpackung und entsprechend aufbereitet ihren Weg zu uns finden. Zur Absicherung sind Leihverträge zwischen den Einrichtungen abzuschließen und eine Versicherung des Kulturguts, welches hierfür in seinem Wert geschätzt werden muss. Wertvolle Bestände wie die Stammbücher werden in der Medienwerkstatt der SUB an Reproständen mit photographischen Systemen von Phase One digitalisiert. Dabei ist zuweilen Fingerspitzengefühl gefragt und bei Besonderheiten wie z.B. speziellen Einbänden findet auch ein enger Austausch mit den für den Bestand zuständigen Restauratoren statt. So ist auf einigen Bildern ein Spatel zu erkennen, der ein Zurückklappen der Seiten verhindert – bei anderen Materialien kann hierfür eine Glasscheibe verwendet werden.

Mit dem Open-Source-Werkzeug Kitodo wird der komplette Digitalisierungsworkflow gesteuert – und eine Erschließung von Strukturen und Metadaten zu den Abschnitten erledigt. Für alle gedruckten Textbände wird mittlerweile standardmäßig eine Volltexterkennung (OCR) durchgeführt – bei unterschiedlichen Handschriften wie in den Stammbüchern werden die Modelle noch in der Forschung trainiert. Nach dem Export von Kitodo sind die Stammbücher im Katalogplus und auf unserer Webpräsenz Hamburger Kulturgut digital recherchierbar, unter den Handschriften können die Stammbücher auch als eigene Kollektion gezielt durchstöbert werden.

Einige Beispiele aus der Kollektion stellen wir Ihnen hier zur Anregung schon mal vor:

  • Stammbuch des Peter Friedrich Röding (MHG): ein Hamburger Kaufmann und Privatgelehrter, bekannt durch seine umfangreiche Kunst- und Naturaliensammlung, dem „Museum für Gegenstände der Natur und Kunst“. Neben Einträgen aus dem Familien- und Freundeskreis finden sich zudem Sammlerkollegen wieder.
  • Stammbuch der Elisabeth Charlotte Alberti (SUB): Die Familie Alberti war eng mit Malern und Dichtern verbunden. Charlotte Alberti sammelte u.a. Einträge von Matthias Claudius, Johann Friedrich Reichardt, Johann Heinrich Voß und zahlreichen, überwiegend weiblichen Personen aus dem Klopstock-Kreis.
  • Stammbuch des Ludwig Peter-Wilhelm von Prangen (AM): Ein Band, der insbesondere durch seine zahlreichen Zeichnungen und Eintragungen aus verschiedenen Orten Norddeutschlands gekennzeichnet ist.

Die Projektleitung bedankt sich bei den Kolleginnen der Bibliotheken des Museums für Hamburgische Geschichte und des Altonaer Museums für die vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie allen Beteiligten der SUB für die reibungslose Umsetzung.

Scan-Vorrichtung in der Medienwerkstatt der SUB

Scan-Vorrichtung in der Medienwerkstatt der SUB

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