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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Vortrag und Diskussion: Desobedientes – Ungehorsame (28.6.)

27. Juni 2022
von Markus Trapp — abgelegt in: Ausstellungen und Veranstaltungen — 208 Aufrufe

Dienstag, 28.6., 18 Uhr, Vortragsraum , 1. Etage

Wie gehen ehemalige Diktaturen mit der Last der Täterschaft um? Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme über den Widerstand in und die Erinnerung an die argentinische Militärdiktatur. Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung. Der Eintritt ist frei.

Der eigene Vater oder Großvater ein Folterer, ein Mörder im Dienste einer Diktatur? Das ist eine schockierende Erkenntnis. Familienangehörige sprechen darüber häufig nicht, schon gar nicht öffentlich. Ein Gespräch mit dreien, die sich anders entschieden haben.

2017 gründeten Nachkomm*innen von Tätern der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) in Buenos Aires die Gruppe Historias Desobedientes („Ungehorsame Geschichten“). Eine von ihnen ist Liliana Furió. Sie und ihre Mitstreiter*innen brechen in ihren Familien und öffentlich das Schweigen über die Verbrechen ihrer Verwandten. Sie solidarisieren sich mit den Opfern, klagen an und riskieren Konflikte zu Hause wie in der Gesellschaft.

Loreto Urraca bricht mit dem sog. „Pakt des Schweigens“, einem politisch-gesellschaftlichen Kompromiss, der bis heute in Spanien die Verbrechen der Franco-Diktatur im Dunkeln belässt. Sie bezieht öffentlich Stellung gegen ihren Großvater, einen ehemaligen franquistischen Polizeioffizier, der im besetzten Frankreich Jagd auf spanische Exilant*innen machte.
Loreto Urraca blieb in Spanien mit ihrem mutigen Bekenntnis bisher allein.

Johannes Spohr forschte und schrieb über seinen Großvater, Offizier im Oberkommando des Heeres, der über die Verbrechen der Wehrmacht in der deutsch besetzten Ukraine 1941 bis 1943 im Bilde war und bis zu seinem Tode nicht bereit war, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.
Was bringt Familienangehörige dazu, sich mit der Täterschaft ihrer Väter oder Großväter auseinanderzusetzen? Zu welchen Konsequenzen führte es für sie, ihre Stimme zu erheben? Welche Wege der Aufarbeitung lassen sich eröffnen?

Mit:

Liliana Furió (Buenos Aires): Mitbegründerin des Kollektivs „Historias Desobedientes“, Menschenrechtsaktivistin und Dokumentarfilmerin

Loreto Urraca (Alicante): Literaturwissenschaftlerin, erforscht und beleuchtet in ihrem Roman „Entre hienas“ („Unter Hyänen“) kritisch die Polizeikarriere und geheimdienstlichen Aktivitäten ihres Großvaters. Sie gehört den argentinischen “Desobedientes” an. www.pedrourraca.info

Johannes Spohr (Berlin): Historiker, Recherchedienst www.present-past.net zum Nationalsozialismus, Promotion zum Rückzug der Wehrmacht aus der besetzten Ukraine im Zweiten Weltkrieg

Und moderiert von Dr. Alexandre Froidevaux, KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Zweisprachig deutsch-spanisch mit Übersetzung.

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