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Wer war Joachim Jungius? (Kolloquiumsvortrag 30.1.)

17. Dezember 2013
von Markus Trapp — abgelegt in: Ausstellungen und Veranstaltungen,Hamburg — 2.770 Aufrufe

Botanica IX (Phytoscopica, Catalogi), Blätter aus dem Jungius-Nachlass (Signatur Wo. 9)

Wer war Joachim Jungius? Das war der mit dem Ausspruch «Der Komet ist der Affe unter den Planeten». Wir haben die Frage auch schon im Vorjahr in der Stabi-Ausstellung «Joachim Jungius: Der Zettelkasten des Doktors» zu beantworten versucht. Die Frage ist gleichzeitig auch der Titel des Kolloquiumsvortrages unseres Kollegen Eike Harden, den er am Donnerstag, den 30. Januar 2014, um 16 Uhr im Hörsaal I der Physikalischen Institute in der Jungiusstraße 9 hält.

Lesen Sie hier das Abstract des Vortrages von Eike Harden «Wer war Joachim Jungius?»:

Joachim Jungius: Der Zettelkasten des Doktors

Joachim Jungius: Der Zettelkasten des Doktors, Ausstellung in der Stabi 2012

Joachim Jungius’ (1587–1657) berufliches Leben verlief in zwei Phasen. In den ersten rund 23 Jahren zwischen 1606 und 1629 wechselte er mehrfach zwischen Rostock und anderen Studien- und Wirkungsorten hin und her, während er anschließend bis zu seinem Tod rund 28 Jahre ununterbrochen in Hamburg das Akademische Gymnasium leitete.

Seine geistige Entwicklung scheint keine solchen Phasen aufzuweisen. Kaum in Hamburg angekommen begann er in seinen programmatischen Reden und Disputationen, seine Vorstellungen von einer Reform der naturwissenschaftlichen Forschung und Lehre vorzustellen. Die Hamburger und seine zwanzig Jahre ältere Gießener Antrittsrede haben die gleiche Stoßrichtung: Der Mathematik komme bei dieser Reform die Hauptrolle zu.

Die Rezeption des Hamburger Gelehrten weist ihre eigenen Konjunkturen auf: Im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde Jungius wenig beachtet, mit den bemerkenswerten Ausnahmen Alexander von Humboldts (1769–1859) und Johann Wolfgang von Goethes (1749–1832). Erst die Forschungen Gottschalk Eduard Guhrauers (1809–1854) und Johannes Geffckens (1803–1864) führten zu einer gewissen Jungius-Renaissance. Seither haben die Arbeiten Emil Wohlwills (1835–1912), Adolf Meyer-Abichs (1893–1971), Hans Kangros (1916–1977) und zuletzt Christoph Meinels viele neue Erkenntnisse erbracht.

Eine der wichtigsten Fragen der Jungius-Forschung war seit jeher: Welcher Zusammenhang bestand für Jungius zwischen der Mathematik und den konkreten Naturwissenschaften? Jungius begann seine erste Hamburger Disputation mit einem Zitat aus Aristoteles’ METAPHYSIK, Buch II, Kapitel 3. Im Anschluss an Aristoteles’ Ausführungen stellte Jungius zwei zentrale Aspekte seiner Reform dar: Erstens müssten Forscher, Lehrer und Schüler das Methodenwissen ihrer Wissenschaft deutlich vom Faktenwissen trennen, zweitens könne das Faktenwissen der Naturwissenschaften die gleiche Exaktheit erreichen wie das der Mathematik – die richtige Methode vorausgesetzt.

Durch verschiedene Editionen und Einzeluntersuchungen ist es inzwischen möglich, tief in Jungius’ Gedankenwelt einzudringen, ohne dazu den handschriftlichen Nachlass von über 40.000 Blatt genauer untersuchen zu müssen, dessen Digitalisierung in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg gerade in einem von der DFG geförderten Projekt unternommen wird.

Der Vortrag wird einen kurzen Einblick in Jungius’ Leben, seine Reformpläne und seinen Nachlass bieten, gruppiert um seine Deutung der Metaphysik-Stelle, die von den Aristoteles-Gegnern unter seinen Zeitgenossen als strenge Trennung von „Mathematik“ und „Physik“ aufgefasst, aber von Jungius ganz anders verstanden wurde.

Eike Harden, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt zur Digitalisierung des Jungius-Nachlasses Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky | Von-Melle-Park 3 | 20146 Hamburg +49 40 42838 6673 | harden@sub.uni-hamburg.de

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