Stabi erwirbt Teilnachlass von Bruno und Liesl Frank
21. April 2026
von Markus Trapp — abgelegt in: Aktuelles,Schätze der Stabi — 130 Aufrufe
Einzigartiger Schatz der Exil-Literatur.
Mit Förderung der Kulturstiftung der Länder und der Hermann Reemtsma Stiftung hat die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) einen umfangreichen Teilnachlass des Schriftstellers Bruno Frank (1887–1945) und seiner Frau Elisabeth „Liesl“ Frank (1903–1979) erworben. Der Bestand umfasst bisher unbekannte Briefe der Familie Mann, Korrespondenzen mit weiteren prominenten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Emigration, Filmskripte, Lebensdokumente und zahlreiche Fotos – darunter auch ein Album der Operettendiva Fritzi Massary (1882–1969), Mutter von Liesl Frank.
Einblick in die Welt der Emigration
Bruno Frank, der aus einer jüdischen Bankiersfamilie stammte, hatte gemeinsam mit seiner Frau Deutschland bereits nach dem Reichstagsbrand 1933 verlassen; das Paar ließ sich nach mehreren Stationen in Europa 1937 in der Umgebung von Los Angeles nieder. Der neu erworbene Teilnachlass dokumentiert das Leben und Wirken von der Franks im Exil. Besonders wertvoll ist das Konvolut an handschriftlichen Briefen, darunter Schreiben von Thomas und Heinrich Mann, Klaus und Erika Mann, Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin, Franz Werfel, Stefan Zweig und vielen anderen. Diese Dokumente bieten einzigartige Einblicke in die deutschsprachige Emigration, die künstlerische Produktion unter schwierigen Bedingungen und den Aufbau intellektueller Netzwerke im Exil. Ein weiteres Highlight sind über 100 Familienbriefe von Fritzi Massary an ihre Tochter Liesl Frank, die den familiären Alltag in der Emigration lebendig werden lassen. Massary war 1939 ebenfalls emigriert und lebte bis zu ihrem Tod in Beverly Hills.
Wissenschaftliche und öffentliche Bedeutung
„Der Erwerb dieser wertvollen Dokumente aus dem Nachlass, den wir in enger Abstimmung mit der Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur der Universität Hamburg realisieren konnten, ist ein großer Gewinn für die Forschung und die Öffentlichkeit“, betont Prof. Robert Zepf, Direktor der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. „Das Konvolut ergänzt die bestehende Sammlung zur Exilliteratur und bietet neue Perspektiven auf eine prägende Epoche der deutschen Kulturgeschichte.“ Die SUB ist als ausgewiesene Fachinstitution für die Erschließung und Bewahrung von Nachlässen bekannt. Der Frank-Bestand wird im Autographenportal Kalliope erschlossen und damit Forschenden weltweit zugänglich gemacht. Erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert wurde der Teilnachlass beim Jahresempfang der Bibliothek am 21. April.
Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder:
„Die Schriften und Dokumente aus dem Nachlass von Bruno und Elisabeth Frank sind wichtige Zeugnisse der deutschsprachigen Exilliteratur. Sie geben Einblicke in das Leben und Denken bedeutender Persönlichkeiten, die vor dem Nationalsozialismus fliehen mussten. In der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg stehen sie nun erstmalig der Literatur- und Geschichtswissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.“
Dr. Carolin Vogel, Hermann Reemtsma Stiftung:
„Mit dieser Förderung würdigt die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG das Engagement der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg für die Bewahrung kulturgeschichtlich bedeutender Nachlässe. Die jüngst erworbenen, unbekannten Briefe spiegeln Situationen aus dem Leben berühmter Exilanten, aber auch Orte und Netzwerke des Exils wider. Neues Futter für Forschung und Leseratten!“
Alle Bilder ©SUB/Eschborn.
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