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Die Drucke des Londoner Verlegers Walsh: Musikdistribution im 18. Jahrhundert

28. Oktober 2022
von Mirijam Beier — abgelegt in: Aktuelles,Schätze der Stabi — 1.105 Aufrufe

Vom 25. bis 27. Oktober 2022 fand an der Universität Greifswald eine internationale musikwissenschaftliche Fachtagung mit dem Titel „Walsh in Europe and beyond: dissemination and reception of English music prints in the 18th century“ statt. Im Rahmen der Vorbereitung zu dieser Tagung sind Forscher:innen auch in die SUB Hamburg gekommen, um zu den in der Musiksammlung befindlichen Walsh-Drucken zu recherchieren.

John Walsh gründete 1695 in London den Musikverlag Walsh und führte neue Musikdrucktechniken ein, die die Produktion vereinfachten und dadurch preiswerter machten. Der Verlag Walsh wurde so in den 71 Jahren seiner Existenz zum leistungsfähigsten und bedeutendsten Verlagshaus seiner Zeit. Nach dem Tod des Gründers übernahm sein Sohn John Walsh d.J. das erfolgreiche Unternehmen und führte es bis 1766 weiter. Die von Walsh produzierten Drucke umfassen die verschiedensten musikalischen Gattungen und enthalten oft Musik aus damals aktuellen Aufführungen – etwa die Arien aus den neuesten im Londoner King’s Theatre aufgeführten Opern. An diesen war nicht nur das Londoner Publikum interessiert, sondern Musiker:innen und Musikliebhaber aus ganz Europa. Zudem enthielten diese Ariensammlungen meist die Namen der Sänger:innen, die in der entsprechenden Opernproduktion gesungen hatten: Dies wurde von den Sänger:innen gerne als Marketinginstrument genutzt, um ihre in London erbrachten Leistungen europaweit zu verbreiten. So nahmen Sänger:innen die Drucke etwa an ihre verschiedenen Wirkungsstätten mit oder Musiker:innen bestellten über Bekannte in London Walsh-Drucke und ließen sie sich zusenden. Auch im Hamburg des 18. Jahrhunderts waren die Walsh-Drucke bekannt, nachweislich etwa dem namhaften Hamburger Sänger, Musiktheoretiker, Komponisten, Schriftsteller und Diplomaten Johann Mattheson.

Die bisherige Forschung zum Londoner Musikverlag Walsh hat sich vornehmlich auf lokalgeschichtlich-britische Fragestellungen konzentriert. Die internationale Fachtagung hat diese Fragen auf europaweite und globale Vertriebswege, Nutzerschichten und ästhetische Funktionen erweitert, wodurch auch neue Erkenntnisse zu den umfangreichen Hamburger Beständen zu erwarten sind: Über den Katalogplus können über 250 in der Musiksammlung der SUB Hamburg befindliche Walsh-Musikdrucke recherchiert werden, davon sind einige (s. Abb. und Link rechts) auch bereits digitalisiert: Katalogplus Walsh-Drucke.

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