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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Stabi-Musikhandschrift wird nach 315 Jahren wieder zum Klingen gebracht

17. Juni 2022
von Markus Trapp — abgelegt in: Schätze der Stabi — 335 Aufrufe

Aria ‚Grata merce di costante fe‘, gesungen von der Sopranistin Anna Maria Schober (1672–1728)

Unter den Raritäten in der Musiksammlung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) befindet sich eine Handschrift mit sämtlichen Arien der 1707 in der Hamburger Gänsemarkt-Oper erstaufgeführten Karnevalsoper Der angenehme Betrug oder Der Carneval von Venedig aus der Feder des äußerst erfolgreichen Komponisten Reinhard Keiser (1674–1739). Sie war in den darauffolgenden Jahren – neben einer weiteren Oper Keisers – das meistgespielte Stück des Theaters am Gänsemarkt. Die Handschrift ist heute die einzige noch erhaltene Musikquelle zu dieser Oper.

Die hier vorgestellte Ariensammlung (Bibliothekssignatur: ND VI 2889g) entstand wohl schon im Uraufführungsjahr von Keisers Der angenehme Betrug und wurde 1708 von einem unbekannten Vorbesitzer, dessen Monogramm „P. B. H.“ bislang noch nicht aufgelöst werden konnte, in einen dunklen Lederband mit goldgeprägtem Monogramm und Jahreszahl eingebunden. 1856 gelangte sie aus dem Nachlass des Hamburger Organisten Johann Friedrich Schwencke (1792–1852) in die Stadtbibliothek (die heutige Staatsbibliothek). Von Schwencke stammt auch die aufgeklebte Titelvignette. Infolge der kriegsbedingten Verlagerung wertvoller Bestände der SUB Hamburg war die Handschrift nach 1945 zunächst verschollen, kehrte aber 1991 zusammen mit anderen kriegsverlagerten Musikhandschriften aus Hamburgs Partnerstadt Leningrad in die SUB zurück (Digitalisat der Handschrift: https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/HANShm281).

Das unserer Bibliothek seit vielen Jahren durch regelmäßige Konzerte im Lichthof eng verbundene Ensemble barockwerk hamburg wagt es unter der Leitung von Ira Hochman nun erstmals, die Oper in einer szenischen Einrichtung wieder auf die Bühne zu bringen. Dabei werden neue Texte aus der Feder der Autorin Felicia Brembeck die musikalisch nicht überlieferten Rezitative ersetzen, die fehlende Ouvertüre kann durch eine noch weitgehend unbekannte Opern-Ouvertüre Keisers aus dem Nachlass Johann Matthesons in der SUB kompensiert werden, und fehlende Instrumental- und Chorstücke lassen sich durch passende Stücke aus anderen Keiser-Opern (vorzugsweise den unvollständig überlieferten Opern) ausgleichen, die damit eine neue Aufführungschance erhalten. Unterstützt wird das barockwerk dabei von international renommierten Vokalsolisten (erstmals mit dabei: Matthias Vieweg und Fanie Antonelou) sowie der Schauspielerin Mona Vojacek Koper, die den personifizierten Karneval verkörpern wird.

 

Aufführungsdaten:
2. und 3. Juli 2022, 19:30 Uhr
Altonaer Theater (Museumsstraße 17, 22765 Hamburg)

Weitere Informationen: ➥ https://www.barockwerk-hamburg.de

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