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Der 4. Februar als „Namenstag“ der Stabi – 100 Jahre „Staats- und Universitätsbibliothek“

4. Februar 2021
von Redaktion — abgelegt in: Aktuelles,Hamburg — 879 Aufrufe

Von Wiebke von Deylen.

Am 4. Februar feiert die Stabi ihren Namenstag: Vor 100 Jahren, am 4. Februar 1921 fertigte der Hamburger Senat das erste Hamburgische Hochschulgesetz aus, in dem die bisherige Stadtbibliothek erstmals unter ihrem neuen Namen „Staats- und Universitätsbibliothek“ Erwähnung fand und ihre Aufgabe als zentrale Bibliothek der 1919 gegründeten Universität formal benannt wurde.

Als „Wissenschaftliche Anstalt“ blieb die Bibliothek laut dem neuen Gesetz eine eigenständige Institution im Zuständigkeitsbereich der Hochschulbehörde, aus der die heutige BWFGB hervorgegangen ist. Als zentrale Bibliothek unterstützt die Stabi seither Forschung, Lehre und Studium an der Universität und an den im Verlauf der folgenden Jahrzehnte gegründeten weiteren staatlichen Universitäten und Hochschulen. Im Rahmen des Hamburger Bibliotheksverbunds besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Fachbibliotheken der Universität und den Hochschulbibliotheken.

Das neue Gesetz erschien knapp zwei Jahre nach dem „vorläufige[n] Gesetz betreffend die Hamburgische Universität und Volkshochschule“ vom 31. März 1919, das in den Wirren der unmittelbaren Nachkriegszeit rudimentär geblieben war, und viele institutionelle Regelungen offen gelassen hatte. So wird im Hochschulgesetz vom 4. Februar 1921 in §1 festgelegt: „Das Hochschulwesen umfaßt die Universität, die Wissenschaftlichen Anstalten, die Volkshochschule und das Technische Vorlesungswesen.“ In §39 wird die Staats- und Universitätsbibliothek unter ihrem neuen Namen in der Auflistung der Wissenschaftlichen Anstalten an erster Stelle aufgeführt, es folgen u.a. das Welt-Wirtschafts-Archiv, diverse Museen, die Sternwarte und verschiedene naturwissenschaftliche Institute.

Die altehrwürdige Stadtbibliothek, deren Wurzeln bis ins Jahr 1479 zurückreichen, hatte sich über die Jahrhunderte in enger räumlicher und personeller Verbindung mit den jeweils führenden Bildungseinrichtungen der Stadt entwickelt. Dies spiegelt sich bis heute nicht nur in ihrem Buch- und Handschriftenbestand, sondern auch in ihren bedeutenden (Gelehrten)-Nachlässen wider.

Spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts war sie durch den maßgeblichen Förderer der Universitätsidee, den Senator und späteren Bürgermeister Werner von Melle, zielstrebig auf ihre zukünftige Rolle vorbereitet worden: Die Entwicklung des Personals und des Etats aber auch der systematische Bestandsaufbau entsprachen bereits vor der eigentlichen Universitätsgründung zunehmend den Anforderungen einer Hochschulbibliothek. Auch die Nutzungsmöglichkeiten wurden modernisiert – so wurde etwa damit begonnen, die alten Realkataloge, in denen die Bücher in schweren Folianten verzeichnet waren, nach und nach um moderne alphabetische und systematische Zettelkataloge zu ergänzen, die den damaligen Lesern und Leserinnen endlich eigenständige Recherchen ermöglichen solten.

 

Der Beginn als Universitätsbibliothek war geprägt durch die Mangelsituationen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und durch die politischen Verwerfungen der folgenden Jahrzehnte, in denen die Staats- und Universitätsbibliothek nicht immer eine rühmliche Rolle spielte, wie sich z.B. in ihrer Erwerbungspolitik zeigte. Die Bibliothek verblieb trotz aller Bemühungen auch ihrer neuen Funktion als Universitätsbibliothek im alten Gebäude am Speersort in der Innenstadt und damit räumlich von der Universität entfernt. Dies änderte sich erst in Folge der massiven Luftangriffe im Sommer 1943, bei denen die Bibliothek fast komplett zerstört wurde und große Teile des nicht ausgelagerten Bestandes verbrannten.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs zog die Stabi dann endlich auf den Campus und richtete sich im ehemaligen Wilhelm-Gymnasium zunächst provisorisch ein. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde die Bibliothek um weitere Gebäude wie den Bücherturm ergänzt, um so u.a. Platz für den rasch wieder anwachsenden Bestand zu gewinnen. Mittlerweile ist auch der 1982 bezogene „Neubau“ fast 40 Jahre alt. Er wird daher seit einiger Zeit sukzessive renoviert und soweit es die baulichen Möglichkeiten erlauben an die veränderten Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer im digitalen Zeitalter angepasst.

Architekten Dr. Günter Schween und Partner in Hamburg

Bauskizze des 1979 begonnenen Hauptgebäudes mit Ansicht von der Schlüterstraße aus (nach Plänen der Architekten Dr. Günter Schween und Partner in Hamburg)

 

Auch im 21. Jahrhundert erwirbt die Staats- und Universitätsbibliothek zur Literatur- und Informationsversorgung der Universität weiterhin gedruckte Bücher und stellt sie zur Ausleihe oder in ihren Lesesälen bereit. Daneben gewinnen aber die elektronisch verfügbaren Angebote immer mehr an Bedeutung. Sie reichen von E-Books, E-Journals und Datenbanken bis zu von der Bibliothek selbst retrodigitalisierten „Schätzen“ aus den Sondersammlungen oder den digitalen Semesterapparaten. All diese Materialien lassen sich für die Angehörigen der Universität Hamburg auch von ihrem Schreibtisch aus konsultieren und die zu ihrer Zeit hochmodernen Karteikarten wurden längst durch Online-Kataloge abgelöst, die heute Recherchemöglichkeiten bieten, die bei Einführung der Zettelkataloge unvorstellbar schienen.

Trotz der Vielzahl der innovativen digitalen Angebote besteht weiterhin ein großer Bedarf nach öffentlich zugänglichen Lern-, Arbeits- und Begegnungsorten, wie die Nachfrage gerade während der Pandemie zeigt. Im Zeitalter der Digitalisierung verändern sich aber die Anforderungen an Bibliotheksgebäude weiter. Zur Zeit wird daher ein neues Kapitel in der Bibliotheksgeschichte aufgeschlagen: Mit dem Projekt „Auf Wissen bauen 2030“ hat die Stabi Ende 2020 damit begonnen, im Dialog mit Nutzerinnen und Nutzern die Weichen für eine grundlegende Sanierung und Erneuerung des Gebäudekomplexes am Von-Melle-Park zu stellen. Auch die Fachbibliotheken werden umfassend modernisiert – die Stabi unterstützt die Fakultäten derzeit beim Umbau des Philosophenturms und dem Neubau von Bibliotheken im MIN-Forum und in der Science City Bahrenfeld. Diese und eine Vielzahl weiterer Vorhaben aus allen Bereichen des akademischen Lebens zeigen die fortdauernde enge Verbindung der Stabi mit der Universität und ihren Einrichtungen, die vor einem Jahrhundert ihren Anfang nahm.

Weitere Informationen zur wechselvollen Geschichte der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg in den letzten hundert Jahren finden Sie in dem Übersichtsartikel „100 Jahre Informationsversorgung für die Universität. Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg von 1919 bis 2019“ von Wiebke von Deylen und Ulrich Hagenah, erschienen in „100 Jahre Universität Hamburg – Studien zur Hamburger Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte in vier Bänden“, Band 1: „Allgemeine Aspekte und Entwicklungen“, herausgegeben von Rainer Nicolaysen, Eckart Krause und Gunnar B. Zimmermann, Göttingen 2020, S.613-653.

2 Antworten zu “Der 4. Februar als „Namenstag“ der Stabi – 100 Jahre „Staats- und Universitätsbibliothek“”

  1. Ich wünsche der Stabi – zunächst einmal für das zweite Jahrhundert unter dem Namen “Staats- und Universitätsbibliothek” – zum “Geburtstag” alles Gute. Möge diese für viele von uns so hilfreiche und nützliche Institution weiterhin blühen und gedeihen!

  2. MJGT sagt:

    Vielen Dank.

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