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Das Heiligenstädter Testament in der Elbphilharmonie

1. September 2017
von MJGT — abgelegt in: Hamburg,Schätze der Stabi — 447 Aufrufe

Beethovens berühmter Brief im Original als Leihgabe der Stabi zur Eröffnung der neuen Konzertsaison.

Heiligenstädter Testament

Das NDR Elbphilharmonie Orchester hat heute Abend unter der Leitung von Thomas Hengelbrock die neue Konzertsaison eröffnet. Der Auftakt stand ganz im Zeichen von Ludwig van Beethoven. Zunächst ist Beethovens Musik zu Goethes »Egmont« in einer neu konzipierten, halbszenischen Fassung mit dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer aufgeführt worden, dann folgten im Rahmen des Nachtstudios Lesungen, Lieder und Klavierwerke von Ludwig van Beethoven. Brandauer hat dabei auch aus einem Brief Beethovens an dessen Brüder Kaspar Karl und Johann aus dem Jahr 1802 gelesen. Ein wichtiges Dokument, bekannt als «Heiligenstädter Testament». Das Original ist Teil der Musiksammlung der Stabi Hamburg und war als Leihgabe unseres Hauses im Rahmen der Saisoneröffnung heute Abend in der Elbphilharmonie zu sehen.

Wir nehmen dies zum Anlass, hier nicht nur die Information zu veröffentlichen, die heute Abend auch die Besucher der Elbphilharmonie vorgefunden haben, sondern liefern am Ende dieses Artikels auch den Link auf das Originaldigitalisat sowie einen Erläuterungstext samt Übertragung des Briefes. Das kostbare Exponat ist für die Besucher der Opening Night in der Elbphilharmonie mit folgenden Worten begleitet ausgestellt worden:

Beethoven, Ludwig van: Heiligenstädter Testament.
Eigenhändiges Manuskript, Heiligenstadt bei Wien 1802.
Signatur: ND VI 4281

Das Heiligenstädter Testament verfasste Beethoven im Alter von 32 Jahren während eines Kuraufenthalts in Heiligenstadt bei Wien unter dem Eindruck der für ihn traumatischen Mitteilung, dass sein Gehörleiden unheilbar sei und zur vollständigen Ertaubung führen würde. Das Schriftstück ist in erster Linie als ein psychologisches Zeugnis zu werten, in dem sich Beethoven sein Schicksal selbst eingesteht und zu verarbeiten sucht. Adressaten des 1827 versiegelt in Beethovens Nachlass gefundenen Dokuments sind dessen gesetzliche Erben, die Brüder Caspar Anton Carl und Nikolaus Johann.

Das Autograph gelangte später in den Besitz der schwedischen Sängerin Jenny Lind und ihres Hamburger Gatten Otto Goldschmidt. Beide verfügten, dass es nach dem Tod der Sängerin (1887) eine dauerhafte Bleibe in Hamburg finden solle.

Die Schenker legten der Bibliothek die Verpflichtung auf, „daß dieses so Viele interessirende Autograph, soweit dies mit einer möglichst guten Erhaltung vereinbar ist, dem Publikum nach Kräften zugänglich gemacht werde.“ Letzteres wird seither durch Ausstellungen, zahlreiche Faksimile-Editionen und Abbildungen in einer nicht mehr zu überblickenden Zahl von Veröffentlichungen aus aller Welt vollzogen.

Hier der bereits angesprochene Erläuterungstext samt Übertragung des Briefes zum Download im Format PDF (3 S., 34kb).

Das «Heiligenstädter Testament» ist in unserem Haus auch digitalisiert worden und Sie können diesen bedeutsamen Brief Beethovens in hoher Auflösung in den Digitalisierten Beständen der Stabi herunterladen: resolver.sub.uni-hamburg.de/goobi/HANSw24716. Ein Klick auf die beiden Vorschaubilder dieses Artikels zeigt Ihnen den Brief auch in größerer Ansicht.

Heiligenstädter Testament

Update 2.9.2017: Das Eröffnungskonzert und die Lesung können in voller Länge nachgeschaut werden.

Heiligenstädter Testament im Foyer der Elbphilharmonie

Eine Antwort zu “Das Heiligenstädter Testament in der Elbphilharmonie”

  1. Klassikpunk sagt:

    Das Eröffnungskonzert in der Elbphilharmonie sollte man sich unbedingt ansehen und anhören. Ein beeindruckender Klaus Maria Brandauer liest Goethes „Egmont“ in der Vertonung von Ludwig van Beethoven. Am Pult der Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters Thomas Engelbrock. Sopranistin Katharina Konradi in der Gesangsrolle des Clärchen.

    Ich hatte schon mal das Vergnügen Brandauer live bei einer Lesung mit Musikbegleitung erleben zu dürfen. Ein besonderes Erlebnis. Prädikat. Empfehlenswert!

    Das „Heiligenstädter Testament“ selbst ist ein erschreckendes Zeugnis des verzweifelten Ludwig v. Beethoven. Wir können froh sein dass er seinen Suizid-Gedanken keinen freien Lauf lies, sie nicht in die Tat umgesetzt hat, sonst hätten wir so manch großes Werk der Musikgeschichte niemals hören dürfen.

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