Zum Tag der Provenienzforschung 2025: „Bemerkenswerte Erwerbungen und Vorgänge“ – Zur Suche nach NS-Raubgut in den Sondersammlungen (7.4.)
28. März 2025
von Markus Trapp — abgelegt in: Ausstellungen und Veranstaltungen — 496 Aufrufe
Vortrag von Anneke de Rudder,
Montag, 7.4., 14 Uhr, Vortragsraum.
Im letzten Jahr konnte an der Arbeitsstelle Provenienzforschung – NS-Raubgut der Staats- und Universitätsbibliothek ein größeres Drittmittel-Projekt abgeschlossen werden: Von 2018 bis 2024 förderte das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste unsere Recherchen zu NS-Raubgut in den Sondersammlungen.
Aus Anlass des diesjährigen Tages der Provenienzforschung wird die Bearbeiterin Anneke de Rudder nun über das spannende Projekt berichten. Darin wurden Zugänge der Jahre 1933-1945 untersucht, die der damalige Bibliotheksdirektor Gustav Wahl zu Recht als „bemerkenswerte Erwerbungen und Vorgänge“ beschrieb. Teils durch systematisches Aktenstudium, teils mit detektivischen Methoden konnte in dem Projekt die Herkunft („Provenienz“) vieler Objekte ermittelt werden.
Aber was gibt es überhaupt für NS-Raubgut in den Sondersammlungen? Wie kann man es erkennen? Auf welchen Wegen ist es in unsere Bibliothek gekommen? Was bedeutet es, wenn die Provenienz-Ampel auf Rot steht? Und wie sieht es eigentlich bei uns an der Stabi mit der Rückgabe von NS-Raubgut an die rechtmäßigen Erbinnen und Erben aus? Diese und andere Fragen will der Vortrag klären, der sich sowohl an Bibliothekskolleg:innen wie auch an die interessierte Öffentlichkeit richtet.
Es geht um wertvolle Bücher, um Autographen und Nachlässe, um Exlibris und Stempel, um Widmungen und rätselhafte Kürzel in Auktionskatalogen. Und es geht um die menschlichen Schicksale hinter den Materialien. Wir erfahren viel über die Biographien der Beraubten: fast ausschließlich waren das Menschen, die in der NS-Zeit als Juden verfolgt wurden. Existenzielle Not zwang sie oftmals dazu, sich von Teilen ihrer Sammlungen zu trennen. In einigen Fällen wurden Bücher und Autographen auch direkt vom NS-Regime beschlagnahmt und dann in die „Verwertung“ gegeben.
Die Veranstaltung knüpft an die Ausstellung „Sehr erfreuliche Vermehrungen“ an, die 2022 in der Stabi zu sehen war und die jetzt als Online-Ausstellung auf unserer Website steht. Einige offene Fragen von damals konnten inzwischen geklärt werden, vieles bleibt aber nach wie vor offen. Die Forschung geht weiter!