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Das Ledigenheim in der Hamburger Neustadt: Erhalt eines Kulturdenkmals

17. September 2015
von HS — abgelegt in: Aktuelles,Hamburg — 2.020 Aufrufe

ledigenheim-vorplatz-hh-+-seine-bauten-1914-1-S587-mit-rahmenDas 1912 erbaute Ledigenheim in der Neustädter Rehhoffstraße/Ecke Herrengraben ist heute das letzte seiner Art in Hamburg. Im Laufe vieler Jahrzehnte lebten hier Seemänner, Hafenarbeiter und Monteure unter einem Dach – vielfach ein Leben lang. Der Verein Ros e.V. um die zwei Hauptakteure Antje Block und Jade Jacobs hat es sich zum Ziel gesetzt, das von Finanzspekulation bedrohte Gebäude in seiner Funktion und Bausubstanz als Kulturdenkmal zu erhalten.

Die Idee des Ledigenheimes als eigenständige Einrichtung für Durchreisende und Alleinstehende entstand Mitte des 19. Jahrhunderts mit der zunehmenden Industrialisierung und Urbanisierung Europas. Industrielle Ballungszentren sowie Hafenstädte verzeichneten einen enormen Bevölkerungszuwachs und saisonale Bevölkerungsschwankungen. Große Menschenmassen drängten auf engsten Raum, und es kam zu sozialen und hygienischen Problemen. Die Ledigenheime und eine Reihe weiterer Wohnformen sollten Abhilfe schaffen.

Das Ledigenheim in der Rehhoffstraße galt 1912 zuLogo_Ledigenheim_erhalten_200x107r Zeit seiner Erbauung durch die Architekten Heinrich Wilhelm Behrens und Ernst Vicenz im Auftrag des Bauvereins zu Hamburg als hochmodern. Es war der politische Versuch, auf soziale und städtebauliche Notwendigkeiten des boomenden Welthafens Hamburg und der wachsenden Arbeiterschaft am Hafenrand zukunftsorientiert zu reagieren.

Das Ledigenheim war als Übergangsdomizil auf in die Stadt ziehende oder durchreisende Arbeiter ausgerichtet. Diesen wollte man durch eine entsprechende Gebäudegestaltung und umfangreiche Angebote eine familienähnliche Struktur und Eingliederungshilfe in der neuen Umgebung bieten. Die Anlage war eine Kombination aus 112 funktionalen, möblierten und preiswerten Einzelzimmern und großzügig angelegten Gemeinschaftsräumen. Ein Teil der aktuellen BewohnerMit seinem Speise- und Lesesaal, in dem auch Veranstaltungen stattfanden, dem kleinen Laden mit seiner sympathischen Pächterin und dem Pförtner, der auch für die Nachbarschaft ein offenes Ohr hatte, war es eine gewachsene Institution im Alltag der Neustadt. Das Haus wurde weitestgehend selbst verwaltet und den Bewohnern standen umfangreiche soziale Dienste zur Verfügung. Das hierfür notwendige Personal wohnte größtenteils im Haus.

Das  Ledigenheim in der Rehhoffstraße hat über Jahrzehnte als Mehrgenerationen-Männerwohnheim gut funktioniert. In einem langen Prozess der gewinnorientierten Umstrukturierung jedoch wurden notwendige Reparaturen und Instandsetzungen jahrzehntelang nicht mehr erledigt, das Haus vernachlässigt. Die Abwendung von der Selbstverwaltung hin zu einer Externalisierung der Organisations- und Verwaltungsstruktur stellt den gröbsten Eingriff in das Konzept des Ledigenheims dar und führte zu erheblichen sozialen Problemen im Haus. Dies alles hat die über Jahrzehnte gewachsene Hausgemeinschaft empfindlich getroffen und den Zustand des Hauses erheblich verschlechtert (zur Zeit leben ca. 75 Männer, davon 30 schon seit 20 bis 40 Jahren, im Ledigenheim).

RosLogoSchrift_200x1072009 wurde die Anlage vom Bauverein zu Hamburg an einen dänischen Immobilienfonds weiterverkauft, der die Auflösung der bisherigen Gebäudestruktur vorsah, das Ledigenheim war in seinem Weiterbestehen stark gefährdet. Die sich in dieser Phase formierende Arbeitsgemeinschaft Rehhoffstraße aus Bewohnern, Nachbarn und Mitgliedern des in der Neustadt ansässigen Vereins Ros e.V., die sich für den Erhalt des Heimes einsetzt, konnte 2011 durch ihr Wirken erreichen, daß die Bezirksversammlung sich einstimmig für den Erhalt des Hauses in seiner Struktur und Funktion ausgesprochen hat. Ebenso wurde der Denkmalschutz in die Wege geleitet.

Dennoch braucht es nach diesen ersten Schritten noch viel – besonders finanzielle – Unterstützung, um das Ledigenheim als Gebäude zu erhalten, und es als Männerwohnheim wieder in eine volle Funktionsfähigkeit zurückzuführen. Allein die historische Sanierung und technische Modernisierung werden etwa 2-5,5 Millionen Euro erfordern. Der Verein Ros e.V. und die Stiftung Ros bemühen sich nach allen Kräften, die notwendigen Mittel einzuwerben und freuen sich über jede Unterstützung. Umfassende Informationen zum Projekt der Erhaltung, zum Ledigenheim in Geschichte und Gegenwart sowie Spendeninformationen finden sich auf der Website

http://www.rehhoffstrasse.de/erhalten.

Kontaktinformation:
Stiftung Ros, Initiative Rehhoffstraße, Rehhoffstraße 1-3, 20459 Hamburg, Tel.: 040 29813729, post(at)rehhoffstrasse.de

Spendenkonto:
Kontoinhaber: Kanzlei Klingner & Koll., GLS Bank, IBAN: DE22 4306 0967 2029 2864 00, BIC: GENODEM1GLS, Verwendungszweck: Das Ledigenheim erhalten!

Heute ist das Ledigenheim neben der Speicherstadt, dem Kontorhausviertel und den Seemannskirchen eines der wenigen lebendigen Zeugnisse der sozialen Errungenschaften des beginnenden 20. Jahrhunderts und der ursprünglich starken Verbindung des Stadtteils mit dem Hafen. Es erfüllt mit seinem gemeinschaftlichen Wohnkonzept bis heute eine wichtige soziale Funktion. Die Idee des Ledigenheims hat an Aktualität nicht verloren und kann auch die aktuelle Diskussion um Wohn- und Lebensformen in unserer sich wandelnden Gesellschaft bereichern. Gerade angesichts der vielen wohnungssuchenden, insbesondere der wohnungslosen Menschen und der explosionsartig ansteigenden Mietpreise in Hamburg sind der Erhalt und die Schaffung von bezahlbarem innerstädtischen Wohnraum heute nötiger denn je.

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