Vortrag: Diktatorische Verführung durch Rhetorik und Hypnose: Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ – Alexander Košenina (11.3.)
27. Februar 2026
von Markus Trapp — abgelegt in: Ausstellungen und Veranstaltungen — 619 Aufrufe
Mittwoch, 11.3., 19 Uhr, Vortragsraum.
Die kurz vor der Nobelpreisverkündung 1929 im Ostseebad Rauschen entstandene Erzählung Mario und der Zauberer war von Anfang an mehr als eine »Anekdote«. Aus der »Luft gegriffen« (On myself) ist sie höchstens im Sinne der nationalistischen und fremdenfeindlichen Atmosphäre im italienischen »Mussolinien«. Denn das ›tragische Reiseerlebnis‹ wird zuerst gefunden, dann erfunden: Es geht erstens auf Erfahrungen im Badeort Forte dei Marmi 1926 zurück, wo die Familie Mann neben den Warnzeichen des Faschismus auch den suggestiven Magier Cesare Gabrielli sieht.
Zweitens werden sie verbunden mit okkulten Erfahrungen bei dem Münchner Hypnotiseur Albert von Schrenck-Notzing. In beiden Fällen geht es um die politische und psychologische Brechung des individuellen Willens. Die »Warnung vor der Vergewaltigung durch das diktatorische Wesen«, die Thomas Mann nach anfänglicher Abweisung politischer Deutungen aus dem Exil einräumt, macht die Erzählung in Zeiten neuer autokratischer Herrscher höchst aktuell. Verführung, rhetorische Unterwerfung und Erzeugung eines nationalen Wir-Gefühls sind die Themen, die den Text von 1930 mit unserer Wirklichkeit verbinden.
Eine Veranstaltung der Thomas Mann-Gesellschaft in Kooperation mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Der Eintritt ist frei.
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