{"id":7026,"date":"2012-01-17T14:10:56","date_gmt":"2012-01-17T13:10:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=7026"},"modified":"2022-08-24T15:43:47","modified_gmt":"2022-08-24T13:43:47","slug":"die-lange-suche-nach-herrn-rabbiner-ochs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=7026","title":{"rendered":"Die lange Suche nach Herrn Rabbiner Ochs"},"content":{"rendered":"<p>Der Beginn der Suche nach den Eigent\u00fcmern dieses Buches begann mit einem durch den \u201eUng\u00fcltig-Stempel\u201c \u00fcber dem Besitzvermerk nur schwer lesbaren Namen. Die erste Recherche nach einem Rabbiner Ochs lief ins Leere. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rabbiner-ochs.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"7027\" data-permalink=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?attachment_id=7027\" data-orig-file=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rabbiner-ochs.jpg\" data-orig-size=\"350,245\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}\" data-image-title=\"Stempel NSR A 1949\/7294\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rabbiner-ochs.jpg\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rabbiner-ochs.jpg\" alt=\"Stempel NSR A 1949\/7294\" title=\"Stempel NSR A 1949\/7294\" width=\"350\" height=\"245\" class=\"alignleft size-full wp-image-7027\" srcset=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rabbiner-ochs.jpg 350w, https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rabbiner-ochs-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a> Der Stempel des Eigent\u00fcmers gab zum Gl\u00fcck weitere wichtige Hinweise \u2013 den Ort Gleiwitz und versteckt hinter dem \u201eUng\u00fcltig-Stempel auch ein Dr. Die Suche f\u00fchrte also nach Gleiwitz und letztendlich zu Doktor Samuel Ochs, dem dieses Buch geh\u00f6rt hat. Die weitere Nachforschungen brachten dann eine F\u00fclle von Informationen, sogar seine Doktorarbeit konnten wir im Bestand unserer Bibliothek finden (Signatur: <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/PPNSET?PPN=246608234\">Breslau D.Phil 200<\/a>).<\/p>\n<p>Samuel Ochs war vor 1933 ein angesehener j\u00fcdischer Gelehrter. Neben seiner T\u00e4tigkeit als Rabbiner in Gleiwitz unterrichtete er am J\u00fcdisch-Theologischen Seminar in Breslau und er war Vorstandsmitglied des Oberschlesischen Museums in Gleiwitz. <\/p>\n<p>Bis 1937 lehrte er weiter in Breslau. W\u00e4hrend der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde er inhaftiert und kam in das KZ-Buchenwald, wo er schwer misshandelt wurde. Ein Zeitgenosse von Herrn Ochs hielt dies in seinen sp\u00e4teren Erinnerungen fest: <\/p>\n<blockquote><p>Hier in London habe ich Rabbiner Dr. Ochs aus Gleiwitz getroffen. Er ist ein gebrochener Mann und erz\u00e4hlt, dass eine Bewusstlosigkeit von vielen Stunden ihm zu wissen erspart hat, was in allzu schlimmen Buchenwald Stationen geschehen ist. &#8230; Da\u00df er noch lebt, verdankt er einem j\u00fcdischen Leidensgenossen aus Gleiwitz, der den schwachen Mann wie ein Kind gehegt hat. \u201eWenn das, was ich gesehen habe, der liebe Gott vergisst\u2026\u201c sagt er zu mir, und mit diesem Satz hat er ein gutes Leitmotiv f\u00fcr jeden gegeben, der vom Leben und Sterben in deutschen Konzentrationslagern berichtet. <footnote>Reichmann, Hans und Wildt, Michael: Hans Reichmann. Deutscher B\u00fcrger und Verfolgter Jude, Novemberpogrom und KZ-Sachsenhausen 1937 \u2013 1939, M\u00fcnchen u.a. 1998. S.153<\/footnote><\/p><\/blockquote>\n<p>Nach seiner Freilassung aus Buchenwald bem\u00fchte sich Samuel Ochs um die Ausreise aus Deutschland. Im April 1939 gelang ihm mit Vermittlung des Chief Rabbi in London die Ausreise nach Gro\u00dfbritannien, wo er in London als Rabbiner t\u00e4tig sein konnte. Er starb 1942 im Alter von 58 Jahren an den Sp\u00e4tfolgen der in der KZ-Haft erlittenen Verletzungen.<\/p>\n<p>Nach den ersten Erfolgen unserer Recherchen blieb die Suche nach den Erben l\u00e4ngere Zeit ohne Ergebnis. Wir wussten inzwischen, dass Samuel Ochs zwei Kinder hatte, aber wir hatten keine weiteren Informationen \u00fcber deren Verbleib. Mit Hilfe der <em>Commission for Looted Art<\/em> in Europe konnten wir schlie\u00dflich die Enkelin des Rabbiners ausfindig machen, mit ihr in Kontakt treten und ihr das Buch ihres Gro\u00dfvaters, eine Festschrift f\u00fcr Abraham Berliner zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p>Weitere Informationen und unsere Ansprechpartner finden Sie auf der Projektseite <a href=\"https:\/\/www.sub.uni-hamburg.de\/sammlungen\/ns-raubgut\/die-arbeitsstelle-provenienzforschung.html\">NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut in der Stabi<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beginn der Suche nach den Eigent\u00fcmern dieses Buches begann mit einem durch den \u201eUng\u00fcltig-Stempel\u201c \u00fcber dem Besitzvermerk nur schwer lesbaren Namen. Die erste Recherche nach einem Rabbiner Ochs lief ins Leere. 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No\u00advember 1938 wurden 1.400 Synagogen und Betr\u00e4ume, Tausende Wohnun\u00adgen und Gesch\u00e4fte von J\u00fcdinnen und Juden zerst\u00f6rt und gepl\u00fcndert; mehr mehr als 30.000 M\u00e4nner in Konzentrationslager verschleppt, un\u00adgef\u00e4hr hundert\u2026","rel":"","context":"In &quot;Hamburg University Press&quot;","block_context":{"text":"Hamburg University Press","link":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?cat=19"},"img":{"alt_text":"Blick aus der Wohnung der Rabbinerfamilie Posner im Sophienblatt 60 auf das Haus der Kieler NSDAP\u2010Kreisleitung, Dezember 1931 (Bildersammlung der Universit\u00e4t Flensburg)","src":"https:\/\/i0.wp.com\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Posner_Kiel_1931.jpg?resize=350%2C200&ssl=1","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":26874,"url":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=26874","url_meta":{"origin":7026,"position":4},"title":"Auf der Suche nach Nelly: B\u00fccher erz\u00e4hlen Geschichte(n)\u2026","author":"Redaktion","date":"10-04-19","format":false,"excerpt":"Zum 1. 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