{"id":6313,"date":"2011-11-08T18:48:02","date_gmt":"2011-11-08T17:48:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sub.uni-hamburg.de\/blog\/?p=6313"},"modified":"2016-11-25T13:09:23","modified_gmt":"2016-11-25T12:09:23","slug":"ns-raubgut-ein-geburtstagsgeschenk-kommt-nach-hause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=6313","title":{"rendered":"NS-Raubgut: Ein Geburtstagsgeschenk kommt nach Hause"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/11-NS-Raubgut-Heilbrun-_A_50378_b_Widmung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/NS-Raubgut-Heilbrun.jpg\" alt=\"NS Raubgut, Widmung in einem Buch von Curt Heilbrun\" title=\"NS Raubgut, Widmung in einem Buch von Curt Heilbrun\" width=\"550\" height=\"233\" style=\"float: none;\"  \/><\/a><br \/>\n<cite>\u201eIhrem Sohn Curt zu seinem 16ten Geburtstage am 1. November 1899. als Geburtstagsgeschenk von seinen ihn liebenden Eltern Elias u. C\u00e4cilie Heilbrun, geb. Nordheimer\u201c<\/cite><\/p>\n<p><strong>Ein Geburtstagsgeschenk kommt nach Hause: die Stabi restituiert ein Buch der Familie Heilbrun an die Erben.<\/strong> <\/p>\n<p>Mit dieser Widmung begann die Recherche nach Curt Heilbrun, der zu seinem 16. Geburtstag von seinen Eltern eine Gesamtausgabe der Werke Heinrich Heines geschenkt bekam. Die einb\u00e4ndige Werkausgabe war 1941 im Zugangsbuch der Bibliothek als \u201eGeschenk\u201c der Gestapo vermerkt worden. Eine erste Recherche nach der Familie Heilbrun in Hamburg verlief ergebnislos.<\/p>\n<p>Bei einem Besuch des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuzes in Bad Arolsen im November 2010 ergaben sich erste Hinweise auf Curt Heilbrun. Dr. Curt Heilbrun arbeitete in Erfurt als Augenarzt. Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde er f\u00fcr ca. einen Monat im KZ-Buchenwald eingesperrt, seine H\u00e4ftlingsnummer lautete 20494. Nach seiner Freilassung bem\u00fchte sich die Familie, Deutschland zu verlassen. Im Juni 1939 erhielten die Heilbruns eine Einreisegenehmigung und traten die \u00dcberfahrt nach Gro\u00dfbritannien an. Das Umzugsgut wurde durch eine Spedition in den Hamburger Hafen gebracht, von wo aus es nach Gro\u00dfbritannien weiter transportiert werden sollte. W\u00e4hrend Curt, Elsa und der Sohn Max Werner Heilbrun Gro\u00dfbritannien erreichten, wurde der gesamte Besitz der Familie von der Gestapo beschlagnahmt und in Hamburg versteigert. Das bei uns aufgefundene Buch wurde nicht versteigert, sondern von der Gestapo an unsere Bibliothek als \u201eGeschenk\u201c abgegeben.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWichtige Hinweise bei den Recherchen nach den Erben von Curt Heilbrun enthielt eine Wiedergutmachungsakte, die wir im Staatsarchiv Hannover einsehen konnten. Der Inhalt der Akte best\u00e4tigte die Identit\u00e4t von Curt Heilbrun als den gesuchten Vorbesitzer des Buches. Curt, Elsa sowie der Sohn Max Werner Heilbrun sind mittlerweile verstorben, aber es fanden sich die Namen der Enkel. <\/p>\n<p>Im August dieses Jahres wandten wir uns an die \u201eCommission for Looted Art in Europe\u201c in Gro\u00dfbritannien. Da die Familie zumindest bis 1970 in Gro\u00dfbritannien gewohnt hatte, erhofften wir uns durch diese Organisation Hilfe beim Auffinden der Enkel. Diese Hoffnung wurde erf\u00fcllt. Nach zwei Monaten konnten wir einen ersten Kontakt mit den Erben herstellen.<\/p>\n<p>Den Erben war bis zu dieser Zeit nur sehr wenig \u00fcber die eigene Familiengeschichte bekannt, da der einzige Sohn von Curt Heilbrun und Vater der Erben bereits 1958 verstorben war. Mit den von uns w\u00e4hrend der Recherche gefundenen Archivalien konnten wir, sozusagen nebenbei, der Familie ein St\u00fcck ihrer Familiengeschichte zur\u00fcckgeben. Die Enkelin war aufgrund der Vorgeschichte nat\u00fcrlich \u00fcberrascht, dass es nach all den Jahren noch eine R\u00fcckerstattung aus dem Besitz der Familie Heilbrun gibt. Wie viele B\u00fccher der Familie seinerzeit von der Gestapo an die SUB abgegeben wurden, l\u00e4sst sich leider nicht mehr ermitteln. Der restliche Besitz der Familie wurde 1940 in Hamburg versteigert und bleibt ebenfalls verschollen. <\/p>\n<p>Die R\u00fcckgabe dieses Buches ist ein Erfolg des Projekts \u201eNS-Raubgut\u201c der Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek, das seit 2006 in den eigenen Best\u00e4nden nach geraubten B\u00fcchern sucht, sie im Katalog verzeichnet und sich um ihre R\u00fcckgabe bem\u00fcht.<\/p>\n<p>Das Projekt im Internet: <a href=\"https:\/\/www.sub.uni-hamburg.de\/sammlungen\/ns-raubgut\/die-arbeitsstelle-provenienzforschung.html\">NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut in der Stabi<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIhrem Sohn Curt zu seinem 16ten Geburtstage am 1. November 1899. als Geburtstagsgeschenk von seinen ihn liebenden Eltern Elias u. C\u00e4cilie Heilbrun, geb. Nordheimer\u201c Ein Geburtstagsgeschenk kommt nach Hause: die Stabi restituiert ein Buch der Familie Heilbrun an die Erben. 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