{"id":27989,"date":"2019-10-22T13:52:34","date_gmt":"2019-10-22T11:52:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=27989"},"modified":"2019-10-22T13:52:34","modified_gmt":"2019-10-22T11:52:34","slug":"open-access-aus-der-sicht-eines-naturwissenschaftlers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=27989","title":{"rendered":"Open Access aus der Sicht eines Naturwissenschaftlers"},"content":{"rendered":"<p>von <em>Dr. Tim Boxhammer | ORCiD <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-9632-5947\">0000-0002-9632-5947<\/a> <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_28126\" style=\"width: 274px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/tboxhammer_2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-28126\" data-attachment-id=\"28126\" data-permalink=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?attachment_id=28126\" data-orig-file=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/tboxhammer_1.jpg\" data-orig-size=\"600,400\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"tboxhammer_1\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Foto: Maike Nicolai, GEOMAR&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Foto: Maike Nicolai, GEOMAR&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/tboxhammer_1.jpg\" class=\" wp-image-28126\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/tboxhammer_1-150x100.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/tboxhammer_1-150x100.jpg 150w, https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/tboxhammer_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/tboxhammer_1.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-28126\" class=\"wp-caption-text\"><\/p>\n<div style=\"font-size: 12px; line-height: 1.2; margin-bottom:0;\">Foto: Maike Nicolai, GEOMAR<\/div>\n<p><\/p><\/div>\n<p>Die Philosophie von Open Access in der naturwissenschaftlichen Forschung begleitet mich seit meinem meereswissenschaftlichen Studium in Kiel. Als Student hatte ich dort ausschlie\u00dflich im Institut uneingeschr\u00e4nkten Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. Im Zuge meiner Promotion im Bereich der marinen Klimafolgenforschung ist zu dem Ideal des freien Zugangs zu wissenschaftlichem Fachwissen auch die Bedeutung der freien Nachnutzbarkeit von Publikationen und Forschungsdaten hinzugekommen. Wie w\u00fcrde ich also heute Open Access definieren?<\/p>\n<p> \u00a0 <br \/> \u00a0 <\/p>\n<h3>Definition von Open Access<\/h3>\n<p>Open Access ist die freie und unentgeltliche Nutzbarkeit von wissenschaftlichen Publikationen, Forschungsdaten und -software, welche nachhaltig, dezentral und mit m\u00f6glichst geringen technischen und rechtlichen H\u00fcrden weltweit digital zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Bis heute ist dieses Ideal nur in Teilen Realit\u00e4t.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Open Access in der naturwissenschaftlichen Forschung<\/h3>\n<p>Forschung lebt vom internationalen und interdisziplin\u00e4ren Wissenstransfer, der den Boden f\u00fcr Fortschritt, Innovation und Kooperation bereitet. Open Access verst\u00e4rkt dabei die Transparenz und Sichtbarkeit von publizierten Ergebnissen und erh\u00f6ht damit deren Einfluss auf den aktuellen, wissenschaftlichen Diskurs und die Erschlie\u00dfung zuk\u00fcnftiger Forschungsfelder. Die unmittelbare, weltweite Verbreitung von Publikationen im digitalen Zeitalter beschleunigt zus\u00e4tzlich diesen Prozess.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.biogeosciences.net\/13\/2849\/2016\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"28122\" data-permalink=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?attachment_id=28122\" data-orig-file=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Boxhammer_Artikel.jpg\" data-orig-size=\"2486,3514\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Boxhammer_Artikel\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Boxhammer_Artikel-724x1024.jpg\" class=\"alignleft wp-image-28122\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Boxhammer_Artikel-106x150.jpg\" alt=\"\" width=\"258\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Boxhammer_Artikel-106x150.jpg 106w, https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Boxhammer_Artikel-212x300.jpg 212w, https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Boxhammer_Artikel-768x1086.jpg 768w, https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Boxhammer_Artikel-724x1024.jpg 724w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a> Der Kulturwandel in der Wissenschaft von geschlossener zu offener Publikationspraxis ist in den Naturwissenschaften in Deutschland in vollem Gange. Dies geschieht nicht zuletzt durch die Vorgaben wichtiger Forschungsf\u00f6rderer, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (<a href=\"https:\/\/www.dfg.de\/foerderung\/programme\/infrastruktur\/lis\/open_access\/\">DFG<\/a>) und dem Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (<a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/de\/open-access-das-urheberrecht-muss-der-wissenschaft-dienen-846.html\">BMBF)<\/a>, die mit ihren Leit-\/Richtlinien die Publikation in Open-Access-Formaten f\u00f6rdern und fordern.<\/p>\n<h3>Bedeutung von Open Access f\u00fcr mich<\/h3>\n<p>\u00dcber 90 % meiner begutachteten Fachpublikationen habe ich bewusst in Open-Access-Zeitschriften ver\u00f6ffentlicht und die zugrundeliegenden Datens\u00e4tze in \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Repositorien hinterlegt. Repositorien sind Dokumentenserver, auf denen wissenschaftliche Erkenntnisse in digitaler Form gesammelt und bereitgestellt werden. Dies bedeutet auch, dass ich als Autor im Besitz der Verwertungsrechte an meinen Werken und Daten bleibe und entsprechend der freien Lizenz (<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/?lang=de\">Creative Commons<\/a>) meine Publikationen mit Kolleg*innen teilen und weiter verbreiten darf. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Wissenschaftler*innen und Entscheidungstr\u00e4ger*innen weltweit meine Erkenntnisse und Daten uneingeschr\u00e4nkt nachnutzen, z. B. f\u00fcr die Modellberechnung von marinen Stoffkreisl\u00e4ufen in Zeiten des Klimawandels.<\/p>\n<h3>Impact Factor vs. Open Access<\/h3>\n<p>Die Bewertung von individueller Leistung in den Naturwissenschaften wird zum gro\u00dfen Teil am so genannten <em>Impact Factor<\/em> von Zeitschriften gemessen, in denen Forschende publizieren. Der Impact Factor ist ein Ma\u00df f\u00fcr die H\u00e4ufigkeit, mit der die Artikel einer Fachzeitschrift in anderen Publikationen zitiert werden. Er reflektiert damit die Bedeutung der Zeitschrift in dem jeweiligen Forschungsfeld. Trotz des Kulturwandels sind viele Fachzeitschriften mit hohem Impact Factor kostenpflichtig und nicht <em>Open Access<\/em>.\u00a0Einige dieser Zeitschriften bieten jedoch die M\u00f6glichkeit einzelne Artikel f\u00fcr eine erh\u00f6hte Publikationsgeb\u00fchr Open Access zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Die Publikationsleistung gemessen am Impact Factor ist Grundlage f\u00fcr das eigene wissenschaftliche Renommee und damit auch wichtiger Bestandteil bei der Akquise von Forschungsgeldern. Folglich erlangt der Impact Factor bei der Publikation von Ergebnissen einen h\u00f6heren Stellenwert als der technisch wie rechtlich freie Zugang zu Wissen und dessen Nachnutzbarkeit. Insbesondere Erkenntnisse mit einem hohen Innovationsgrad innerhalb der Naturwissenschaften erscheinen deshalb h\u00e4ufig in nicht frei zug\u00e4nglichen Fachzeitschriften mit hohem Impact Factor.<\/p>\n<h3>Wie sehe ich die Zukunft von Open Access?<\/h3>\n<p>\u00d6ffentlich gef\u00f6rderte Forschung und alle daraus resultierenden Erkenntnisse m\u00fcssen frei zug\u00e4nglich sein. Nur so sehe ich die globale, barrierefreie Verbreitung von Fachwissen unter Forschenden, aber auch die Grundlage f\u00fcr transparente Wissenschaftskommunikation mit der Gesellschaft gesichert. Langfristig bedeutet dies, dass wissenschaftliche Publikationen ausschlie\u00dflich in Open-Access-Zeitschriften erfolgen oder unmittelbar in Open-Access-Repositorien zur freien Verf\u00fcgung gestellt werden. Eine Koalition aus europ\u00e4ischen Forschungsf\u00f6rderern will genau dies mit Unterst\u00fctzung der Europ\u00e4ischen Kommission und dem Europ\u00e4ischen Forschungsrat ab 2021 in die Tat umsetzen (<a href=\"https:\/\/www.coalition-s.org\/\">cOAlition S<\/a>).<\/p>\n<p>Die globale, uneingeschr\u00e4nkte Verf\u00fcgbarkeit von Fachwissen sehe ich als Schl\u00fcssel f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der Herausforderungen unserer Zeit. Bibliotheken k\u00f6nnen hierbei einen wichtigen Beitrag leisten. Die F\u00f6rderung von Open Access im Rahmen von Schulungs- und Beratungsservices sowie die Bereitstellung von Publikationsangeboten wie Open-Access-Repositorien und Hosting f\u00fcr wissenschaftliche Open-Access-Fachzeitschriften geh\u00f6ren zu den wichtigen Kompetenzen von wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dr. Tim Boxhammer | ORCiD 0000-0002-9632-5947 &nbsp; Die Philosophie von Open Access in der naturwissenschaftlichen Forschung begleitet mich seit meinem meereswissenschaftlichen Studium in Kiel. Als Student hatte ich dort ausschlie\u00dflich im Institut uneingeschr\u00e4nkten Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. 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