{"id":27577,"date":"2019-07-16T11:00:37","date_gmt":"2019-07-16T09:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=27577"},"modified":"2022-08-24T15:34:41","modified_gmt":"2022-08-24T13:34:41","slug":"klopstocks-kleine-prosa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=27577","title":{"rendered":"Klopstocks kleine Prosa"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Mark Emanuel Amtst\u00e4tter.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/klopstock-hsls-gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"27575\" data-permalink=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?attachment_id=27575\" data-orig-file=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/klopstock-hsls.jpg\" data-orig-size=\"300,449\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"klopstock-hsls\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/klopstock-hsls.jpg\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/klopstock-hsls.jpg\" alt=\"Klopstock \u2013 Kleine Prosaschriften\" title=\"Klopstock \u2013 Kleine Prosaschriften\" width=\"300\" height=\"449\" class=\"alignright size-full wp-image-27575\" srcset=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/klopstock-hsls.jpg 300w, https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/klopstock-hsls-100x150.jpg 100w, https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/klopstock-hsls-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Von der <a href=\"https:\/\/www.sub.uni-hamburg.de\/de\/sammlungen\/nachlass-und-autographensammlung\/klopstock-arbeitsstelle\/hamburger-klopstock-ausgabe.html\">Hamburger Klopstock-Ausgabe<\/a> ist nun der 43. Band erschienen, der Textband zu Klopstocks kleinen Prosaschriften. Eine Passage aus dem Klappentext der beiden Herausgeber Horst Gronemeyer und Klaus Hurlebusch bringt auf den Punkt, was die Leserin oder den Leser des Bandes erwartet: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eKaum ein anderer Dichter in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts besa\u00df ein so hochentwickeltes Sprachbewu\u00dftsein wie Klopstock. Die kleinen Prosaschriften, insbesondere die umfangreichsten \u00fcber den deutschen Hexameter und die Rechtschreibungsreform, geben davon Zeugnis. Der Titel von Klopstocks Aufsatzsammlung \u201a\u00dcber Spr\u0105che und Dichtkunst\u2018, in diesem Band erstmals buch- und orthographiegetreu wiedergegeben, bezeichnet die Leitideen der theoretischen kleinen Prosa. Das Spektrum der Themen ist jedoch weiter gespannt. Es reicht von Theologie, Moral, Kunstgeschichte und Bildkritik, Poetik, insbesondere Metrik und Verstheorie, bis zu Grammatik und Subskriptionsaufforderungen. Diese sind hier erstmals in einer Klopstock-Ausgabe gesammelt ediert.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Um das an einem kleinen Beispiel zu skizzieren, sei kurz auf die erw\u00e4hnte Schrift \u00fcber den deutschen Hexameter verwiesen, die 1779 als \u201e\u0119rstes Fragment\u201c in dem Band \u201e\u00dcber Spr\u0105che und Dichtkunst\u201c erschien. In dieser wichtigsten dichtungstheoretischen Schrift Klopstocks entwirft der Dichter seine sehr aus der Praxis des Dichtens gedachte Theorie von der \u201eWortbewegung\u201c und vor allem vom \u201eWortfu\u00df\u201c, einer den klassischen Versf\u00fc\u00dfen gegen\u00fcbergestellten, kolonartigen rhythmisch-semantischen Einheit. Den Unterschied zwischen Vers- und Wortfu\u00df zeigt Klopstock an folgendem Hexameter: \u201eSchrecklich erscholl der gefl\u00fcgelte Donnergesang in der Heerschar.\u201c<\/p>\n<p>Den Versf\u00fc\u00dfen \u2013 \u1d17 \u1d17 (Schrecklich er-) \u2013 \u1d17 \u1d17 (-scholl der ge-) \u2013 \u1d17 \u1d17 (-fl\u00fcgelte) \u2013 \u1d17 \u1d17 (Donnerge-) \u2013 \u1d17 \u1d17 (-sang in der) \u2013 \u2013 (Heerschar) stehen hier folgende Wortf\u00fc\u00dfe gegen\u00fcber: \u2013 \u1d17 \u1d17 \u2013 (Schrecklich erscholl) \u1d17 \u1d17 \u2013 \u1d17 \u1d17 (der gefl\u00fcgelte) \u2013 \u1d17 \u1d17 \u2013 (Donnergesang) \u1d17 \u1d17\u2013 \u2013 (in der Heerschar).<\/p>\n<p>In einem Katalog aus 44 Wortf\u00fc\u00dfen werden diesen nun von Klopstock jeweils bestimmte Empfindungen oder \u2013 wie es im Text hei\u00dft \u2013 semantische \u201eBeschaffenheiten\u201c zugewiesen. Diese Beschaffenheiten sollen wiederum bei der Verwendung des jeweiligen Wortfu\u00dfes direkt \u00fcber den Rhythmus und nicht \u00fcber den Umweg des Verstandes wahrgenommen werden. Kombiniert ist dies noch zus\u00e4tzlich mit Klopstocks Studien \u00e4lterer Sprachstufen und Sprachdenkm\u00e4ler des Deutschen, insbesondere seiner Rezeption des alts\u00e4chsischen Heliand, einer altniederdeutschen Evangelienharmonie in Stabreimen aus dem 9. Jahrhundert. Textbeispiele aus dem Heliand zerlegt Klopstock \u2013 v\u00f6llig ungeachtet des Stabreims \u2013 in Wortf\u00fc\u00dfe und erschafft damit letztlich f\u00fcr das eigene Dichten eine Tradition, die bis zum legend\u00e4ren Heldenliederbuch Karls des Gro\u00dfen zur\u00fcckreichen soll. In der Praxis k\u00f6nnen die Wortf\u00fc\u00dfe zum Beispiel die k\u00f6rperlich-seelischen Bewegungen widerspiegeln, wenn sie in Klopstocks Eislaufgedichten die Bewegungen des Dichters auf dem Eis in ihren Rhythmen mitvollziehen. Schlie\u00dflich legt Klopstock mit der Entwicklung der Wortfu\u00dfrhythmik den Grundstein f\u00fcr eine rhythmische Revolution in der deutschen Dichtung. Vergleichbar ist dies mit einem musikgeschichtlichen Prozess, denn die Musik ist bis einschlie\u00dflich der Wiener Klassik gepr\u00e4gt von einer spannungsvollen \u201eZusammengeh\u00f6rigkeit von Zeitgliederung und Erklingendem\u201c (Rudolf Bockholdt, \u00dcber die Vorteile der Wahrnehmung einer materielosen Zeitgliederung in der Musik. In: Archiv f\u00fcr Musikwissenschaft 59 (2002), S. 12), von abstraktem Metrum und stofflichem Rhythmus. Dieses Spannungsverh\u00e4ltnis schwindet mit der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts zugunsten des Stofflichen, des Erklingenden, des Rhythmus. \u00dcbertragen auf Klopstock ist die Situation folgende: Einerseits ging Klopstock in seiner Dichtung zun\u00e4chst von den klassischen Versma\u00dfen und Strophenschemata aus. Dagegen waren andererseits die bereits in den 1750er Jahren von Klopstock selbst erfundenen freien Rhythmen in ihrer Anfangszeit noch syntaktisch-rhetorisch gegliedert. Die Wende kam mit der Einf\u00fchrung der Wortfu\u00dfrhythmik, d.h. mit den Wortfu\u00dfgliederungen von Klopstocks nun selbst entworfenen, eigenen Strophenschemata und vor allem mit den Wortfu\u00dfgliederungen seiner freien Rhythmen der 1760er Jahre. Mit der Wortfu\u00dfrhythmik wurden anstelle des relativen Spannungsverh\u00e4ltnisses von Metrum und Rhythmus nun absolute, autonome Rhythmen gesetzt. Die Verbindung mit einer konkreten Bedeutung macht den Wortfu\u00df zu einem Vorl\u00e4ufer von Richard Wagners Leitmotiv.<\/p>\n<p>So \u00f6ffnen die kleinen Prosaschriften, besonders diejenigen, bei denen der Prozess und die Theorie des Dichtens im Mittelpunkt stehen, letztlich einen \u2013 ja vielleicht sogar \u201eden\u201c \u2013 Zugang zu diesem gro\u00dfen Hamburger Autor.<\/p>\n<p><em>Friedrich Gottlieb Klopstock, Werke und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Hrsg. von Horst Gronemeyer, Elisabeth H\u00f6pker-Herberg (\u2020), Klaus Hurlebusch und Rose-Maria Hurlebusch (\u2020). Abteilung Werke IX: Kleine Prosaschriften. Band 1: Text. Hrsg. von Horst Gronemeyer und Klaus Hurlebusch. Berlin, New York 2019.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Mark Emanuel Amtst\u00e4tter. Von der Hamburger Klopstock-Ausgabe ist nun der 43. Band erschienen, der Textband zu Klopstocks kleinen Prosaschriften. 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