{"id":25347,"date":"2018-07-20T14:42:58","date_gmt":"2018-07-20T12:42:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=25347"},"modified":"2018-08-31T13:43:37","modified_gmt":"2018-08-31T11:43:37","slug":"fuenf-buchtipps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=25347","title":{"rendered":"F\u00fcnf Buchtipps"},"content":{"rendered":"<p>Von Britta Warda.<\/p>\n<p><a href=\"#b1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Joern-Walter_Von-der-Gro\u00dfstadt-mini.jpg\" alt=\"\" width=\"106\" height=\"175\" class=\"alignleft size-full wp-image-4032\" \/><\/a><a href=\"#b2\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Michael-Batz_Speicherstadt-mini.jpg\" alt=\"\" width=\"175\" height=\"175\" class=\"alignleft size-full wp-image-4033\" \/><\/a><a href=\"#b3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Katrin-Rothe_Betongold-mini.jpg\" alt=\"\" width=\"107\" height=\"175\" class=\"alignleft size-full wp-image-4034\" \/><\/a><a href=\"#b4\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Karsten-Palsson_Humane-Staedte-mini.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"175\" class=\"alignleft size-full wp-image-4035\" \/><\/a><a href=\"#b5\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Dominik-Schendel_Architekturfuehrer-HH-mini.jpg\" alt=\"\" width=\"96\" height=\"175\" class=\"alignleft size-full wp-image-4036\" \/><\/a><\/p>\n<div style=\"clear:both;\"><\/div>\n<p><em>Von den f\u00fcnf Buchcovern f\u00fchrt ein Link zur jeweiligen Besprechung.<\/em><\/p>\n<p><a name=\"b1\"> <\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Gestaltung statt Spaltung.<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_J\u00f6rn-Walter_Von-der-Gro\u00dfstadt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_J\u00f6rn-Walter_Von-der-Gro\u00dfstadt-kl.jpg\" alt=\"J\u00f6rn Walter: Von der Gro\u00dfstadt\" title=\"J\u00f6rn Walter: Von der Gro\u00dfstadt\" width=\"250\" height=\"412\" class=\"alignright size-full wp-image-4015\" \/><\/a> <strong>J\u00f6rn Walter war von 1999 bis 2017 Oberbaudirektor in Hamburg und damit verantwortlich f\u00fcr zukunftsweisende Projekte wie etwa den Bau der Elbphilharmonie, die Planung der HafenCity und nicht zuletzt \u2013 mit dem \u201eSprung \u00fcber die Elbe\u201c \u2013 f\u00fcr die Entwicklung des Hamburger S\u00fcdens. Vor seinem Wirken in der Hansestadt war Walter ab 1991 Leiter des Stadtplanungsamtes in Dresden und pr\u00e4gte in den Nachwendejahren das Bild der s\u00e4chsischen Landeshauptstadt entscheidend mit. Das vorliegende Buch enth\u00e4lt ausgew\u00e4hlte Aufs\u00e4tze Walters zu zeitgen\u00f6ssischen Themen des St\u00e4dtebaus aus den Jahren 1991 bis 2015 und vermittelt einen Einblick in die verantwortungsvolle Arbeit eines Baudirektors. <\/strong><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>In dem j\u00fcngsten Text \u00fcber die Gestaltung von Metropolen benennt Walter die gro\u00dfen Herausforderungen der Zeit: Globalisierung, \u00d6kologie, digitale Revolution. Er warnt, mit Blick auf die Megametropolen in der Welt, vor einer sozialen Spaltung der Gesellschaften in Gewinner und Verlierer, die sich nicht in einer Spaltung der Stadtteile verfestigen d\u00fcrfe. Die Aufgabe modernen St\u00e4dtebaus liege darin, unter Wahrung der sozialen Balance eine Gestaltung zu erwirken, die das Bed\u00fcrfnis nach Identit\u00e4t, Heimat, Erlebnis, aber auch der Sch\u00f6nheit im Blick behalten m\u00fcsse.<br \/>\nZu seiner Hamburger Zeit schreibt J\u00f6rn Walter unter anderem \u00fcber Urbanit\u00e4t in der HafenCity, die Internationale Bauausstellung, den Wallring mit der Baugeschichte der Hamburger Kunsthalle, das Katharinenviertel, die Bedeutung der Neuen B\u00f6rse, den Hamburger Schulbau und nicht zuletzt \u00fcber die Rolle des Gr\u00fcns in der Hamburger Stadtentwicklung.<\/p>\n<p>Der \u00e4lteste Text aus dem Jahr 1991 befasst sich mit der baulichen Situation Dresdens nach der Wende. Als Walter seinen Dienst antrat, fand er eine Innenstadt vor, die \u201enicht nur den Eindruck der Ma\u00dfstablosigkeit und unertr\u00e4glicher Weite durch mangelnde Differenzierung der Stra\u00dfen und Platzr\u00e4ume, sondern auch den einer Tristheit durch funktionale Leere\u201c hinterlie\u00df. Kaum eine andere deutsche Gro\u00dfstadt bot durch den hohen Anteil an innerst\u00e4dtischen Brach- und Freifl\u00e4chen solche Gestaltungsm\u00f6glichkeiten wie Dresden. Dadurch ergab sich die einmalige Chance, wieder ein Zentrum mit Nutzungsvielfalt und baulichem sowie r\u00e4umlichem Abwechslungsreichtum zur\u00fcckzugewinnen. Um einen unkontrollierten und von Einzelinvestoren geleiteten Aufbau zu vermeiden, wurde kurz nach der Wiedervereinigung ein Planungsleitbild f\u00fcr den Innenstadtbereich erarbeitet. Der Text weckt die Neugier und den Wunsch, nach Dresden zu reisen, um zu schauen, was aus der einstigen Situation geworden ist und wie Walter und seine Nachfolger die Pl\u00e4ne umgesetzt haben.  <\/p>\n<p>J\u00f6rn Walter ist ein ge\u00fcbter und anspruchsvoller Autor, der aber verst\u00e4ndlich bleibt. Das ansprechend gestaltete Buch ist ein ideales Geschenk f\u00fcr alle, die bereit sind, die Metaebene im Bereich der Stadtentwicklung zu beschreiten. <\/p>\n<p><em>J\u00f6rn Walter: Von der Gro\u00dfstadt zu Metropole: Hamburg, Dresden und der St\u00e4dtebau: Hamburg, Ellert &#038; Richter Verlag, 2017, 240 Seiten, 19,95 Euro<br \/>\nSignatur: <a href=\"https:\/\/beluga.sub.uni-hamburg.de\/vufind\/Record\/886522552\">A\/705616<\/a><\/em><\/p>\n<p><a name=\"b2\"> <\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3>\u201eDicke B\u00e4uche, fette \u00c4rsche, steife Arme, hohe H\u00fcte\u201c<\/h3>\n<p><strong>Ein neuer Bildband zeigt die Speicherstadt aus einem anderen Blickwinkel<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Michael-Batz_Speicherstadt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Michael-Batz_Speicherstadt.kl_.jpg\" alt=\"Michael Batz: Speicherstadt Story: Geschichten von Menschen und Handel\" title=\"Michael Batz: Speicherstadt Story: Geschichten von Menschen und Handel\" width=\"300\" height=\"300\" class=\"alignleft size-full wp-image-4019\" \/><\/a>\u00dcber die Hamburger Speicherstadt ist schon viel geschrieben worden. Wurde nicht bereits alles gesagt \u00fcber die stolzen Bauten, die zum Weltkulturerbe der UNESCO geh\u00f6ren? Nein, denn der Theatermacher, Lichtk\u00fcnstler und Autor Michael Batz betrachtet den historischen Ort aus einem ganz anderen Blickwinkel. Im Zentrum seiner urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Theaterb\u00fchne konzipierten Texte stehen die Firmen und Personen, die hier einst gewirkt haben.<\/strong> <\/p>\n<p>Mit dem Beitritt Hamburgs zum Deutschen Zollverein 1888 ist das Schicksal der Bewohner des alten Kehrwieder-Wandrahm-Viertels besiegelt. Sie m\u00fcssen dem Freihafen weichen. Senat und B\u00fcrgerschaft entscheiden sich f\u00fcr die \u201eNiederlegung\u201c, ohne R\u00fccksicht auf die sozialen Folgen. 448 Grundst\u00fccke werden mit \u201ethunlichster Beschleunigung\u201c ger\u00e4umt, ohne dass eine staatliche Vorsorge f\u00fcr den Verbleib der Betroffenen getroffen wird. Das erzeugt Hass. Oberingenieur und Projektleiter Franz Andreas Meyer erh\u00e4lt einen Drohbrief: \u201eAn den Massenm\u00f6rder Andreas Meyer! Es ist doch ein Skandal, dass Sie Lump, Schweinickel, \u2026 der 10.000 bis 12.000 Menschen geopfert hat, noch am Leben sind \u2026 Es lebe hoch das Dynamit.\u201c Auch solch martialische Drohungen n\u00fctzen nichts: Am Schluss z\u00e4hlt die Bau-Deputation 17.495 Personen, die \u201edislocirt\u201c wurden. <\/p>\n<p>Die Errichtung der neuen Bauten \u00fcbernehmen die Firmen Philipp Holzmann &#038; Co  und C. Vering. In Rekordzeit und innerhalb des Budgets entsteht der erste Abschnitt mit acht Speichern f\u00fcr sieben Millionen Mark, alles in der modernsten Ausstattung. 2000 Menschen arbeiten t\u00e4glich auf der Baustelle. Die Unmengen an gebrannten Steinen kommen zum Teil aus dem Kehdinger Land. Dort werden fette Lehmweiden abgeziegelt; manch Bauer wird \u00fcber Nacht zum Gro\u00dfverdiener. Der schnelle Reichtum macht einige irre. Ein Zeitgenosse berichtet: \u201eStatt Kegel stellen sie Sektflaschen auf die Bahnen, streuen Goldst\u00fccke im Tanzsaal aus, und einer von ihnen verzehrt sogar einen Tausendmarkschein, auf ein Br\u00f6tchen gelegt, fein zerschnitten.\u201c<\/p>\n<p>Zur feierlichen Er\u00f6ffnung des Freihafens am 29. Oktober 1888 durch Kaiser Wilhelm II. staunen die Massen. \u00dcberw\u00e4ltigend m\u00e4chtig, unvergleichlich gotisch, schmiedeeisern und zugleich technisch neu pr\u00e4sentieren sich die vom Reichskanzler Bismarck erzwungenen Bauten. Manch einer sch\u00fcttelt den Kopf: \u201eDat is veel to groot, dat brukt wi nich allens.\u201c<\/p>\n<p>B\u00f6den vom Feinsten: frostfrei und durchl\u00fcftet \u2013 nie unter 0, nie \u00fcber 20 Grad, elektrische Beleuchtung, moderne Zentralheizung. Ein Paradies f\u00fcr sensible G\u00fcter: \u201eSo gut wie hier ein Sack Kakao wohnt dr\u00fcben im G\u00e4ngeviertel kein Mensch\u201c, preist der Kastellan \u2013 ein Beamter der Hamburger Freihafen-Lagerhaus-Gesellschaft \u2013 die Vorz\u00fcge der modernen St\u00e4tte an, um Mietinteressenten zu \u00fcberzeugen. <\/p>\n<p>Zur Rekrutierung der dringend ben\u00f6tigten Zollanw\u00e4rter ist die Eignungspr\u00fcfung kurz und pragmatisch. F\u00fcr die Dienstaus\u00fcbung wichtig ist, \u201edass sie mit den \u00f6rtlichen Gegebenheiten vertraut sind und der plattdeutschen Mundart nicht hilflos gegen\u00fcber stehen\u201c. Worauf \u2013 au\u00dfer auf Beutel und Taschen ist besonders zu achten? \u201eVerstecke: dicke B\u00e4uche, fette \u00c4rsche, steife Arme, hohe H\u00fcte!\u201c<br \/>\nBatz hat 20 Jahre zeitgen\u00f6ssische Quellen, Bilder und Lebenserinnerungen zusammengetragen. Ihm ist es gelungen, in seinem reich illustrierten Werk ein lebendiges Panorama der vergangenen Zeit auferstehen zu lassen, einer mit dem Beginn der Containerschifffahrt untergegangenen Welt. Pr\u00e4dikat des unterhaltsamen und informativen Werks: unbedingt empfehlenswert!<\/p>\n<p><em>Michael Batz: Speicherstadt Story: Geschichten von Menschen und Handel, Hamburg 2017, Koehler Verlag, 288 Seiten, 29,95 Euro<br \/>\nSignatur: <a href=\"https:\/\/beluga.sub.uni-hamburg.de\/vufind\/Record\/876057075\">HH 7629\/10<\/a><\/em><\/p>\n<p>[Anmerkung der Redaktion: Die &#8220;Speicherstadtstory&#8221; von Michael Batz steht auch auf der <a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=25247\">Shortlist von HamburgLesen 2018<\/a>.]<\/p>\n<p><a name=\"b3\"> <\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Tagebuch einer Entmietung <\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Katrin-Rothe_Betongold.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Katrin-Rothe_Betongold-kl.jpg\" alt=\"Katrin Rothe: Betongold: Wie der Immobilienhype durch mein Wohnzimmer marschierte\" title=\"Katrin Rothe: Betongold: Wie der Immobilienhype durch mein Wohnzimmer marschierte\" width=\"250\" height=\"410\" class=\"alignright size-full wp-image-4023\" \/><\/a><strong>Die Journalistin Katrin Rothe schildert die pers\u00f6nliche Geschichte ihrer Entmietung. Nachdem ein Investor den Altbau in der Bergstra\u00dfe, Berlin-Mitte, gekauft hat und mit Luxussanierungen die bis dato bezahlbaren Mietwohnungen in Eigentum umzuwandeln versucht, beginnt f\u00fcr die Autorin und ihre Hausgemeinschaft ein Kampf mit skrupellosen Spekulanten und ihren Erf\u00fcllungsgehilfen.<\/strong> <\/p>\n<p>Drohungen, Abmahnungen, Prozesse \u2013 die Mieter sehen sich nervenaufreibenden Schikanen ausgesetzt. Nach einem z\u00e4hen Beh\u00f6rdenmarathon stellen sie frustriert fest, dass sie von der Politik kaum Hilfe zu erwarten haben. Entmietungsfirmen, die schamlos Dienstleistungen zur Vertreibung von unliebsamen Mietern anbieten, agieren v\u00f6llig legal. Gegen die Machenschaften der Investorenmafia k\u00f6nnen sich die Betroffenen nur auf zivilrechtlichem Wege wehren. Hilfe bekommen sie dabei von den Mietervereinen. Katrin Rothe f\u00fchrt Tagebuch und greift zur Kamera, um die Vorg\u00e4nge zu dokumentieren. Der Kampf dauert zwei Jahre \u2013 am Ende halten nur wenige den psychischen Belastungen stand. Der Rest zieht aus. <\/p>\n<p>In Folge der Finanzkrise und sinkender Zinsen investieren immer mehr Anleger ihr Geld in H\u00e4user und Wohnungen: in Betongold! Die Geschichte aus der Bergstra\u00dfe steht exemplarisch f\u00fcr einen Verdr\u00e4ngungsprozess Zehntausender Mieter aus zentrumsnahen Wohnungen, der in vielen Gro\u00dfst\u00e4dten stattfindet. <\/p>\n<p>Katrin Rothe will mit ihrem Buch Mut machen, aufkl\u00e4ren und Betroffenen helfen, alle M\u00f6glichkeiten des Mieterschutzes zu nutzen, um g\u00fcnstigen Wohnraum zu erhalten. Das Buch enth\u00e4lt im zweiten Teil ein Glossar mit vielen hilfreichen Ratschl\u00e4gen. So ist es beispielsweise wichtig, zwischen Instandhaltung und Modernisierung zu unterscheiden. Oft  geh\u00f6ren als Modernisierung deklarierte Ma\u00dfnahmen eigentlich zur Instandhaltung und m\u00fcssen deshalb nicht vom Mieter bezahlt werden, zumal dann, wenn der Eigent\u00fcmer das Haus im Vorfeld verfallen und nur das N\u00f6tigste reparieren lie\u00df \u2013 leider eine mittlerweile g\u00e4ngige Praxis. Im Kapitel \u201eMiese Methoden und Gegenstrategien\u201c gibt die Autorin konkrete Tipps, wie man auf Schikanen reagieren sollte. Ganz wichtig, egal wie schlimm der Feind agiert: nie \u201eArschloch\u201c sagen!<\/p>\n<p>Vor der Ver\u00f6ffentlichung ihres Tagebuchs hat die Journalistin einen Film zum Thema f\u00fcr die Sender arte und rbb gedreht, der 2014 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Rothe k\u00e4mpft mit ihren Mitteln f\u00fcr das Solidarprinzip und fordert unter anderem, dass die Politik endlich Verantwortung \u00fcbernimmt und nicht weiterhin landeseigene Wohnungen und Grundst\u00fccke an den meistbietenden Investor verh\u00f6kert.<\/p>\n<p><em>Katrin Rothe: Betongold: Wie der Immobilienhype durch mein Wohnzimmer marschierte, Berlin 2017, Christian Links Verlag, 248 Seiten, 18 Euro<\/em><\/p>\n<p>Nicht im Bestand (wird beschafft).<\/p>\n<p><a name=\"b4\"> <\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Mehr Raum f\u00fcr st\u00e4dtisches Leben<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Karsten-Palsson_Humane-Staedte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Karsten-Palsson_Humane-Staedte-kl.jpg\" alt=\"Karsten P\u00e5lsson: Humane St\u00e4dte. Stadtraum und Bebauung\" title=\"Karsten P\u00e5lsson: Humane St\u00e4dte. Stadtraum und Bebauung\" width=\"300\" height=\"329\" class=\"alignleft size-full wp-image-4026\" \/><\/a> <strong> Im vorliegenden Buch wird anhand von ausgew\u00e4hlten Bauprojekten in europ\u00e4ischen Gro\u00dfst\u00e4dten gezeigt, wie sich Quartiere menschengerecht umgestalten lassen \u2013 ohne dabei alte Geb\u00e4udewerte und \u00fcberlagerte Geschichte aus dem Blick zu verlieren. <\/strong><\/p>\n<p>Die Initiative f\u00fcr Stadtentwicklungsprozesse wird seit den 1990er-Jahren immer \u00f6fter privaten Bauunternehmern \u00fcberlassen. Diese Entwicklung hat dazu gef\u00fchrt, dass vielerorts immer mehr R\u00e4ume f\u00fcr pulsierendes st\u00e4dtisches Leben verschwinden. Historische Bauten fallen schnellen, profitablen L\u00f6sungen zum Opfer. Es geht in erster Linie darum, m\u00f6glichst viele Menschen auf geringer Fl\u00e4che unterzubringen. Zur\u00fcck bleiben oft monotone Betonbauten, umgeben von Parkpl\u00e4tzen und durchzogen von Stra\u00dfen. Menschenw\u00fcrdige, gemeinschaftliche Pl\u00e4tze: Fehlanzeige!<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren entwickelt sich langsam ein neues Bewusstsein, das einen Paradigmenwandel hin zu einer neuen Stadtplanung einleitet, die wieder st\u00e4rker das Zusammenleben der Menschen in den Blick nimmt. Dabei geht es nicht darum, eine Verdichtung zu vermeiden. Die Tradition einer dichten klassischen Stadt ist typisch f\u00fcr die europ\u00e4ische Baugeschichte und sollte nach Meinung des Autors gest\u00e4rkt und weiterentwickelt werden. Global betrachtet zieht es immer mehr Menschen in die gro\u00dfen St\u00e4dte, um dort zu wohnen und zu arbeiten. Das bedeutet, dass in den Metropolen ein Bev\u00f6lkerungszuwachs eingeplant werden muss. Eine sinnvolle Stadtentwicklung sollte einerseits eine Verdichtung der Wohnr\u00e4ume anstreben, um landwirtschaftliche  Fl\u00e4chen und Naturschutzgebiete zu schonen. Andererseits d\u00fcrfen die H\u00e4user nicht zu hoch und zu dicht bebaut werden \u2013 letztlich eine Gratwanderung! <\/p>\n<p>\u201eAm wichtigsten ist jedoch die Qualit\u00e4t der gemeinsamen st\u00e4dtischen R\u00e4ume, von Stra\u00dfen, Pl\u00e4tzen und \u00fcberlagerter Geschichte. Daran entscheidet sich, wie Menschen ihre Stadt erleben und nutzen\u201c, erl\u00e4utert der d\u00e4nische Architekt Karsten P\u00e5lsson, der zudem Experte f\u00fcr den Erhalt von historischen Geb\u00e4uden ist. Kollektive R\u00e4ume sind eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr die Sozialisation von Menschen und f\u00fcr die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft. <\/p>\n<p>An zahlreichen Beispielen aus Berlin, Kopenhagen, Madrid, Paris und Stockholm zeigt P\u00e5lsson, wie eine sinnvolle Verdichtung gelingen kann, ohne ein kulturelles Erbe zu zerst\u00f6ren. Auch Hamburg ist mit zwei Projekten vertreten: Das Falkenried-Viertel dient als Beispiel f\u00fcr eine behutsame Transformation eines Gewerbegebiets in ein Wohnquartier. Dort wurde mit einfachen Mitteln, unter Erhalt \u00e4lterer Geb\u00e4udeelemente, Ortsqualit\u00e4t und Atmosph\u00e4re geschaffen. Als gelungene L\u00fcckenbebauung gilt das Projekt Marktstra\u00dfe 8, bei dem die historischen Budenh\u00e4user erhalten blieben.<br \/>\nDas reich bebilderte Buch ist in zehn Kapitel gegliedert und beginnt mit einem historischen Abriss zum St\u00e4dtebau. Es richtet sich in erster Linie an ein Fachpublikum, ist aber auch f\u00fcr den interessierten Laien verst\u00e4ndlich und aufschlussreich.<br \/>\n<em><br \/>\nKarsten P\u00e5lsson: Humane St\u00e4dte. Stadtraum und Bebauung, Berlin 2017, DOM publishers, 272 Seiten, 530 Abbildungen, 28 Euro<br \/>\nSignatur: <a href=\"https:\/\/beluga.sub.uni-hamburg.de\/vufind\/Record\/881210293\">B\/166031<\/a><\/em><\/p>\n<p><a name=\"b5\"> <\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Rundgang durch Hamburgs Baugeschichte<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Dominik-Schendel_Architekturfuehrer-HH.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Cover_Dominik-Schendel_Architekturfuehrer-HH-kl.jpg\" alt=\"Dominik Schendel: Architekturf\u00fchrer Hamburg\" title=\"Dominik Schendel: Architekturf\u00fchrer Hamburg\" width=\"230\" height=\"421\" class=\"alignright size-full wp-image-4029\" \/><\/a> <strong>Die zweite, aktualisierte und stark erweiterte Auflage des erstmals 2013 zur Internationalen Bauausstellung IBA erschienenen Hamburger Architekturf\u00fchrers zeigt anhand von 350 Objekten einen Querschnitt durch 200 Jahre Baugeschichte. In acht Spazierg\u00e4ngen werden verschiedene Stadtr\u00e4ume vorgestellt. <\/strong><\/p>\n<p>Der Autor und Architekt Dominik Schendel konzentriert sich dabei, au\u00dfer dem Sonderkapitel \u00fcber die IBA auf der Elbinsel Wilhelmsburg, haupts\u00e4chlich auf die Kernstadt innerhalb der Wallanlagen. Gastautorin Natascha Meuser macht einen kurzen Abstecher zu Hagenbecks Tierpark und widmet sich hier der Unterbringung von Orang-Utan, Haifisch und Co.<br \/>\nIm einleitenden Kapitel besch\u00e4ftigt sich J\u00f6rn D\u00fcwel, Professor f\u00fcr Architekturgeschichte an der HafenCity Universit\u00e4t, mit dem St\u00e4dtebau in Hamburg von 1842 bis 1975 und setzt so einen Teil der beschriebenen Bauten in den baugeschichtlichen Kontext. <\/p>\n<p>Fachlich kompetent werden im Hauptteil des Buchs \u2013 jeweils kurz und knapp \u2013 die architekturhistorischen Besonderheiten der vorgestellten Objekte erl\u00e4utert. Alte Fotos werden bisweilen dem heutigen Erscheinungsbild gegen\u00fcber gestellt. Grundrisse geben Einblick ins Innere vieler Bauten. Der kritische Blickwinkel des Autors macht die Texte lebendig und regt zum Diskurs an. Die HafenCity erlebt Schenkel, trotz der unterschiedlichen Formen, Farben und Materialien der einzelnen Architekturen, eher als austauschbar und beliebig. Er bem\u00e4ngelt die fehlende soziale Vielfalt, die einen Stadtteil erst lebendig macht. <\/p>\n<p>Auch entlarvt er so manchen Schildb\u00fcrgerstreich, etwa die Verwendung des zur Neugestaltung des Jungfernstiegs verwendeten Kunststeinbelags: Dieser habe sich als \u201everschmutzungs- und abnutzungsempfindlich\u201c herausgestellt und sei bei N\u00e4sse spiegelglatt \u2013 was die Stadt nicht daran hinderte, diesen auch an anderen Stellen einzusetzen.  <\/p>\n<p>Die Auswahl beinhaltet sowohl historische als auch zeitgen\u00f6ssische Architektur und ber\u00fccksichtigt nicht nur spektakul\u00e4re Bauwerke wie die Elbphilharmonie und das Chilehaus, sondern auch jene, die erst auf den zweiten Blick ihre Besonderheit offenbaren \u2013 wie etwa der stille Erweiterungsbau des Bernhard-Nocht-Instituts, der auf spitzwinkligem Grundriss ein Speziallabor mit h\u00f6chster Sicherheitsstufe beherbergt. An anderer Stelle wird aufgezeigt, wo Abriss oder Umbau ehemals \u00e4sthetische Erscheinungsbilder zerst\u00f6rt haben. So ist von der einst imposanten Pracht der Norderelbbr\u00fccken mit ihren neugotischen Portalen nichts mehr \u00fcbrig geblieben als schaler Beton. \u00c4hnlich erging es vielen im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rten Bauten in der M\u00f6nckebergstra\u00dfe, die zwar alle wiederhergestellt wurden, jedoch oft mit erheblichen Ver\u00e4nderungen und notd\u00fcrftig wirkenden Vereinfachungen realisiert wurden. <\/p>\n<p>Das ansprechende und farbig bebilderte Buch erf\u00fcllt sowohl die Funktion eines lexikalischen Nachschlagewerks als auch die eines Reisef\u00fchrers f\u00fcr Bauinteressierte. Luftbilder mit eingezeichneten Routen und Karten sowie QR-Codes sorgen f\u00fcr die n\u00f6tige Orientierung. Architekten- und Stra\u00dfenregister erh\u00f6hen zus\u00e4tzlich den Gebrauchswert. Pr\u00e4dikat: empfehlenswert!<\/p>\n<p><em>Dominik Schendel: Architekturf\u00fchrer Hamburg, Berlin 2018, DOM publishers, 416 Seiten, 38 Euro<br \/>\nSignatur: <a href=\"https:\/\/beluga.sub.uni-hamburg.de\/vufind\/Record\/897594975\">A 2018\/1381<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Britta Warda. Von den f\u00fcnf Buchcovern f\u00fchrt ein Link zur jeweiligen Besprechung. Gestaltung statt Spaltung. J\u00f6rn Walter war von 1999 bis 2017 Oberbaudirektor in Hamburg und damit verantwortlich f\u00fcr zukunftsweisende Projekte wie etwa den Bau der Elbphilharmonie, die Planung der HafenCity und nicht zuletzt \u2013 mit dem \u201eSprung \u00fcber die Elbe\u201c \u2013 f\u00fcr die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":38,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-25347","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufgelesen"],"views":2651,"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7hfNR-6AP","jetpack-related-posts":[{"id":34939,"url":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=34939","url_meta":{"origin":25347,"position":0},"title":"Rezension von &#8220;Fritz Schumacher: Kulturpolitik eines Baumeisters&#8221;","author":"Markus Trapp","date":"15-12-22","format":false,"excerpt":"In der heute erschienenen Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Mietervereins zu Hamburg hat Stabi-Kollegin Britta Warda das Buch \"Fritz Schumacher: Kulturpolitik eines Baumeisters\" aus dem D\u00f6lling und Galitz Verlag rezensiert. 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