{"id":17042,"date":"2015-01-27T17:06:42","date_gmt":"2015-01-27T16:06:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=17042"},"modified":"2015-01-27T17:11:41","modified_gmt":"2015-01-27T16:11:41","slug":"hamburger-theaterfruehling-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/?p=17042","title":{"rendered":"Hamburger Theaterfr\u00fchling 2015"},"content":{"rendered":"<p><strong>Frischen Wind in die Annalen der Hamburger Theatergeschichte bl\u00e4st ein Theaterfr\u00fchling der besonderen Art, wie er sich in den Tagen zwischen dem 11. und 22. M\u00e4rz 2015 an der Universit\u00e4t Hamburg pr\u00e4sentieren wird.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert-11032015-Bild-4-gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert-11032015-Bild-4kl.jpg\" alt=\"Carl Heinrich Kitzerow: Das Ackermannsche Com\u00f6dienhaus, Aquarell, Hamburg 1832 (SUB, Theatersammlung, G 31)\" title=\"Carl Heinrich Kitzerow: Das Ackermannsche Com\u00f6dienhaus, Aquarell, Hamburg 1832 (SUB, Theatersammlung, G 31)\" width=\"300\" height=\"261\" style=\"float: left; padding-top:0px; padding-left:0px; margin-right:40px; margin-bottom:15px;\" \/><\/a> Zun\u00e4chst werden zwei Konzerte des Ensembles <a href=\"http:\/\/www.barockwerk-hamburg.de\/\">barockwerk hamburg<\/a> am <a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert11-03-2015-flyer.pdf\">11. und 12. M\u00e4rz<\/a> (PDF) im imposanten Lichthof der Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek mit zwei komisch-heroischen Ritter-Opern von Georg Philipp Telemann und Johann Adam Hiller auf Texte von Daniel Schiebeler das fr\u00fche deutsche Singspiel wiederaufleben lassen und an das Hamburger Theaterleben der 1760er Jahre erinnern \u2013 jene Zeit also, die heute vor allem durch die Figur der Kom\u00f6diantin Rosina aus Petra Oelkers historisch-fiktiven Kriminalromanen bekannt ist. In der darauffolgenden Woche findet vom <a href=\"http:\/\/www.fbkultur.uni-hamburg.de\/hm\/pdf\/buehne-und-buergertum.pdf\">19. bis 22. M\u00e4rz<\/a> (PDF) im Musikwissenschaftlichen Institut der Universit\u00e4t die Tagung <em>B\u00fchne und B\u00fcrgertum. Das Hamburger Stadttheater 1770\u20131850<\/em> statt, veranstaltet vom DFG-Projekt \u201eB\u00fchne und B\u00fcrgertum\u201c der Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an das 2015 zu feiernde 250-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des am 31. Juli 1765 er\u00f6ffneten sogenannten Ackermannschen Com\u00f6dienhauses. Es war am Ort der bauf\u00e4llig gewordenen alten G\u00e4nsemarkt-Oper von der Schauspielergesellschaft Conrad Ernst Ackermanns neu errichtet worden und blieb bis zu seiner Abl\u00f6sung durch das 1827 eingeweihte Stadttheater die wichtigste B\u00fchne Hamburgs.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert-11032015-Bild-3-gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert-11032015-Bild-3.jpg\" alt=\"Don Quichotte und Sancho Pansa, Zeichnung von Birgit Kiupel, Hamburg\" title=\"Don Quichotte und Sancho Pansa, Zeichnung von Birgit Kiupel, Hamburg\" width=\"250\" height=\"505\" style=\"float: right; padding-right:0px; margin-left:25px; margin-bottom:25px;\" \/><\/a> Georg Philipp Telemanns singspielartige Serenata <em>Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho<\/em> wurde erstmals am 5. November 1761 im neuen Konzertsaal auf dem Kamp aufgef\u00fchrt. Es handelt sich dabei um einen damals hochaktuellen Beitrag Telemanns zur Entwicklung des deutschen Singspiels, auch wenn hier die Dialoge noch rezitativisch gesungen statt, wie sp\u00e4ter, gesprochen werden. Mit der Vertonung der komischen Geschichte um den Ritter Don Quichotte und seinen Knappen Sancho Pansa (s. Abb. rechts) reagierte Telemann erkennbar auf die Erfolge der zwischen 1758 und 1763 in Hamburg gastierenden Kochschen Schauspielergesellschaft, f\u00fcr die Telemanns Textdichter \u2013 der damals knapp 20-j\u00e4hrige Hamburger Gymnasiast Daniel Schiebeler \u2013 mehrere Theaterprologe verfasst hatte. Nicht nur Schiebeler als Dichter des <em>Don Quichotte<\/em>, sondern auch Telemanns noch jugendliche Kirchens\u00e4nger Johann Friedrich Hellmuth und Johann Anton Huck, die wohl ebenfalls an der Auff\u00fchrung des <em>Don Quichotte<\/em> beteiligt waren, wurden damals vom Theaterbazillus befallen (der erste war wenige Jahre sp\u00e4ter Korrepetitor unter Theaterdirektor Ackermann, schloss sich danach als S\u00e4ngerschauspieler den Theatertruppen von Kurz, Sebastiani, Marchand sowie Gro\u00dfmann an und brachte es bis zur Festanstellung am markgr\u00e4flichen Hoftheater in Schwedt; der zweite reiste ab 1765 zun\u00e4chst ebenfalls mit Sebastiani und Marchand durch die Lande und kam ab 1778 als Hofschauspieler in M\u00fcnchen mit Rollen wie dem Hamlet oder dem Osmin in Mozarts <em>Die Entf\u00fchrung aus dem Serail<\/em> zu einigem Ruhm). <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert-11032015-Bild-2-gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert-11032015-Bild-2.jpg\" alt=\"Johann Adam Hiller: Lisuart und Dariolette, Partiturabschrift um 1769 (SUB, ND VII 187)\" title=\"Johann Adam Hiller: Lisuart und Dariolette, Partiturabschrift um 1769 (SUB, ND VII 187)\" width=\"250\" height=\"400\" style=\"float: left; padding-left:0px; padding-top:3px; margin-right:65px; margin-bottom:15px;\" \/><\/a> Schiebeler dagegen verschlug es im Anschluss an sein Don-Quichotte-Abenteuer mit Telemann als Student zun\u00e4chst nach G\u00f6ttingen, dann nach Leipzig, wo er ab 1765 auf Johann Adam Hiller, einen aufstrebenden Lied- und Singspielkomponisten, traf. Ergebnis dieser Begegnung war das Singspiel <em>Lisuart und Dariolette<\/em> (s. Abb. links u. unten), das \u2013 1766 in Leipzig uraufgef\u00fchrt \u2013 noch Jahrzehnte sp\u00e4ter wohlwollende Beachtung durch Goethe erfuhr. <\/p>\n<p>Wie schon im <em>Don Quichotte<\/em> steht auch in <em>Lisuart und Dariolette<\/em> das Motiv des umherirrenden Ritters im Mittelpunkt, der von einem Diener begleitet wird, was einen heiter-satirischen Spannungsbogen zwischen h\u00f6herem und niederem Stand erm\u00f6glichte und somit auch dem Komponisten Gelegenheit zu entsprechenden Differenzierungen und Stilisierungen bot. <em>Lisuart und Dariolette<\/em> fand rasche Verbreitung, darunter Auff\u00fchrungen 1767 in Wien und 1769 in Schiebelers Heimatstadt Hamburg.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert-11032015-Bild-1-gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.sub.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Konzert-11032015-Bild-1.jpg\" alt=\"Titelillustration zu Johann Adam Hiller: Lisuart und Dariolette\" title=\"Titelillustration zu Johann Adam Hiller: Lisuart und Dariolette, Klavierauszug, Leipzig 1769 (SUB, M A\/421)\" width=\"550\" height=\"391\" style=\"float: none;\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wohl gerade die Singspiele waren es, die neben den Schauspielen das Hamburger Publikum immer wieder ansprachen und zu einem kontinuierlichen Aufschwung des Theaterlebens der Hansestadt ab 1765 entscheidend mit beitrugen. Dieses gemischte Repertoire aus Sprech- und Musiktheater (Lust- und Trauerspiele, Ballette, Singspiele sowie ins Deutsche \u00fcbersetzte italienische und franz\u00f6sische Opern) steht im Fokus des am Institut f\u00fcr Germanistik (Prof. Dr. Bernhard Jahn) und am Musikwissenschaftlichen Institut (Prof. Dr. Claudia Maurer Zenck) angesiedelten DFG-Projekts <em>B\u00fchne und B\u00fcrgertum<\/em>. Ausgehend von den in der Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek aufbewahrten Best\u00e4nden des Hamburger Stadttheaters und seiner Vorg\u00e4ngerb\u00fchne (Theaterzettel, Theatertextb\u00fccher, musikalische Auff\u00fchrungsmaterialien) wird erstmals das Repertoire einer st\u00e4dtischen B\u00fchne genauer in den Blick genommen und untersucht, wie weit es sich von dem der weit besser erforschten h\u00f6fischen Theater unterscheidet. Die Tagung dient dem Austausch erster Ergebnisse zwischen den beteiligten sowie weiteren interessierten Wissenschaftlern und ist der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich.<\/p>\n<div align=\"right\">\n<p><em>Dr. J\u00fcrgen Neubacher<br \/>\nSondersammlungsreferent Musik und Theater<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frischen Wind in die Annalen der Hamburger Theatergeschichte bl\u00e4st ein Theaterfr\u00fchling der besonderen Art, wie er sich in den Tagen zwischen dem 11. und 22. M\u00e4rz 2015 an der Universit\u00e4t Hamburg pr\u00e4sentieren wird. Zun\u00e4chst werden zwei Konzerte des Ensembles barockwerk hamburg am 11. und 12. 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