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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Das Papyrus-Kartell

16. Juli 2007
von AP — abgelegt in: Schätze der Stabi — 4.182 Aufrufe

Im Jahr 1902 gründete sich die „Commission zur Erwerbung griechischer-litterarischer Papyri aus Egypten“, kurz das „Papyrus-Kartell“ genannt. Unter der Leitung des Kasseler Ägyptologen Dr. Otto Rubensohn wurden bis einschließlich 1910 zahlreiche Papyrus-Funde in Ägypten geschlossen angekauft. Das Geld floss aus den Etats der am Kartell beteiligten Institutionen, so auch aus dem Etat der damaligen Hamburger Stadtbibliothek. Über die Verteilung der Funde entschied neben der Höhe der Einlage oftmals das Los. 1908 trafen die ersten Zusendungen des Kartells in Hamburg ein und bildeten den Grundstock der hiesigen Papyrussammlung.

Darunter befanden sich z.B. bedeutende Zeugnisse für die erste systematische Christenverfolgung im gesamten Römischen Reich, die sog. „libelli libellatici“. Weltweit sind 46 Vertreter dieser Gattung aus verschiedenen Sammlungen publiziert. Die SUB besitzt mit 19 „libelli“ den größten Bestand. Dabei handelt es sich um Opferbescheinigungen aus der Zeit des römischen Kaisers Decius um 250 n. Chr. Per Edikt hatte dieser von den Bewohnern des Reichs gefordert, dass sie ihre Loyalität durch ein Opfer für die Staatsgötter unter Beweis stellen. Viele Christen umgingen das mit ihrem Glauben unvereinbare, heidnische Opfer und die drohende Verfolgung und Bestrafung, indem sie sich eine solche Bescheinigung kauften. Einer dieser Belege ist noch bis zum 19. August in der Ausstellung „Erlesen“ zu sehen – ob für ein wirklich vollzogenes Opfer oder vom Schwarzmarkt ist allerdings nicht mehr festzustellen.

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