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Der Kartoffelkönig von Ochsenwärder

20. Februar 2017
von Redaktion — abgelegt in: E-Medien,Hamburg — 1.478 Aufrufe

Von Bernd Reinert.

Werbe-Ansichtskarte des Ernst-Drucker-Theaters zum ‚Kartoffelkönig‘ mit Bildern der Schauspieler

Ein vergessener Autor, ein verschollenes Theaterstück – die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg schafft Abhilfe. Theodor Franckes „Der Kartoffelkönig von Ochsenwärder“ hat Aufnahme in ihre E-Medien gefunden.

Die „grosse Lokalposse aus Hamburgs jetziger Zeit (1916)“ – so die Erinnerungsansichtskarte des Ernst-Drucker-Theaters – dreht sich um die Liebe und einen skrupellosen Kartoffelhändler und Bauern aus Ochsenwerder, der letztlich vor einer tatkräftigen „Landsturmfrau“ die Flucht ergreift. Der Text wurde wahrscheinlich nie gedruckt, und so kann es gut sein, dass das in den Digitalisierten Beständen jetzt eingestellte Manuskript aus einer privaten Sammlung das einzige erhaltene Exemplar ist. Das in hochdeutscher und plattdeutscher Sprache gehaltene Stück weist sicher keine besonderen Qualitäten auf (vielleicht ist es zu Recht nie im Druck erschienen), aber es ist ein Dokument seiner Zeit und ermöglicht einen Einblick in das Repertoire des Ernst-Drucker-Theaters vor gut hundert Jahren. Und es spiegelt die vom Krieg und seinen Begleiterscheinungen geprägte Lebenssituation in Hamburg: zum Zeitpunkt der Erstaufführung im Februar 1916 mangelte es an Nahrungsmitteln – im Laufe des Jahres verschärfte sich diese Situation weiter, sodass das Thema nichts an Aktualität einbüßte.

Das in Sütterlin geschriebene Manuskript wurde der leichteren Lesbarkeit halber auch transkribiert und zudem mit ergänzenden Materialien versehen, die (wie die Transkription) über die Links auf dieser Seite unten aufzurufen sind – dazu gehören Informationen zum Autor (der unter einem Pseudonym schrieb)wie auch zu den lokalen Bezügen (z.B. zum Restaurant „Pfordte“), zur Lebensmittelknappheit und zu einigen plattdeutschen Begriffen (z.B. „Buff mit Schüh“) sowie ein zeitgenössischer Verriss des Erfolgsstücks, das fast ein Jahr lang en suite lief.

Ausgangspunkt all dessen waren Recherchen zum Bergedorf-Blog, das seit 2014 die Entwicklung der zu Hamburg gehörenden Stadt Bergedorf im Ersten Weltkrieg nachzeichnet: Inserate und kleine Meldungen in der Bergedorfer Zeitung kündigten Aufführungen des „Kartoffelkönigs“ in Geesthacht, Bergedorf und Zollenspieker an, und dann nahm die Suche ihren Lauf …

Materialien zum Kartoffelkönig im Dateiformat PDF (Seitenzahl und Dateigröße jeweils in Klammern):

  1. Theodor Francke: Der Kartoffelkönig von Ochsenwärder (Transkription Simone Vollstädt und Bernd Reinert, 54 S., 343 kb)
  2. Bernd Reinert: Erläuterungen zu wenig gebräuchlichen plattdeutschen Wendungen (1 S., 87 kb)
  3. Theaterzettel Bernd Reinert: Erläuterungen zum Lokalkolorit und zum Zeitbezug (2 S., 98 kb)
  4. Bernd Reinert: Anmerkungen zum Stück und zu den Aufführungen (2 S., 95 kb)
  5. Bernd Reinert: Biographische Notiz Theodor Francke (2 S., 96 kb)
  6. Bildanhang [Theaterzettel (s. Abbildung rechts), Meldungen und Anzeigen Bergedorfer Zeitung, Theaterkritik] (2 S., 1,3 MB)

Außenansicht des Ernst-Drucker-Theaters (vorn rechts), Spielbudenplatz 29/30

Außenansicht des Eden-Theaters, Spielbudenplatz 13

Ansicht des Eisernen Michael am Jungfernstieg, im Hintergrund die Binnenalster

Sehen Sie alle Abbildungen auf Klick in groß.

Weitere Informationen gibt es auch im Bergedorf-Blog.

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