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Wie ordnet man sinnvoll ein Bücherregal?

16. August 2009
von AC — abgelegt in: Aufgelesen — 10.518 Aufrufe  

Regale im Selbstausleihbereich … fragte Stabi-Nutzer @autopoiet auf Twitter: „Nach Thema? Verlag? Autoren? Durchnummerieren nach Zettelkasten-Prinzip? Oder gewagt: Nach Farbe?“ Gewagt ist die Sortierung nach Farbe keineswegs, insbesondere bei Aufstellung der privaten Kollektion im Wohnraum – hier spielt ja auch Ästhetik eine Rolle. Und an die Farbe eines Buches erinnert man ja oft leichter als an längliche bibliografische Angaben. Nicht ohne Grund gibt es ja schon erste Beta-Versionen für Suchmaschinen, um Bücher nach Farbe zu suchen.

Und wie ordnen wir die Regale in der Stabi? In den Lesesälen und der Lehrbuchsammlung thematisch, und zwar nach einer hauseigenen Aufstellungssystematik – bei unseren Fachinformationen unter dem Punkt „Stabibestand“ finden Sie dazu weitere Hinweise für Ihr Fach.

Aber in Lesesälen und Lehrbuchsammlung steht ja bekanntermaßen nur ein Bruchteil unserer Bücher und Zeitschriften. Der Rest steht in den Magazinen – 17. Stockwerke plus Speichermagazin in Bergedorf. Die Mühe einer systematischen Aufstellung machen wir uns in den Magazinen nicht: Viel zu aufwändig wäre es, den nicht unbeträchtlichen Zuwachs einzukalkulieren und für entsprechende Platzreserven zu sorgen. Unser pragmatischer Ansatz: Wir stellen die Bücher in der Reihenfolge ihres Eingangs bei uns auf, Numerus currens nennt sich dieses Prinzip auch und kann im Selbstausleihbereich unsers Ausleihzentrums in der Praxis betrachtet werden: In diesem ehemals ebenfalls für Benutzerinnen und Benutzer geschlossenen Magazin steht ein Chemie-Lehrbuch einträchtig neben einer Einführung in die Erzähltheorie. Beim Shelf-Browsing, dem mitunter inspirierenden Entlangwandern am Bücherregal, kann man hier deswegen besonders überraschende Zufallsentdeckungen machen.

Eine solche Aufstellung ist für das heimische Bücherregal sicher wenig geeignet. Allerdings macht dort möglicherweise der bibliothekarische Grundsatz der Trennung von unterschiedlichen Formaten Sinn: Schwere, großformatige Literatur wie Bildbände ganz nach unten zu stellen und die Sammlung von Geo-Heften, jahrgangsweise in Schubern aufbewahrt, sind sicher auch in privaten Bibliotheken besser auf separaten Regalen aufgehoben.

Bleibt abschließend nur noch der Hinweis auf den großen indischen Bibliothekswissenschaftler Ranganathan, dessen erstes von fünf Gesetzen der Bibliothekswissenschaft lautet: „Bücher sind zum Benutzen da“. Will sagen: Ordnen Sie Ihre Bücher so, wie es Ihren Bedürfnissen an Auffindbarkeit und Ästhetik am besten entspricht – Farbsortierung ausdrücklich eingeschlossen.

4 Antworten zu “Wie ordnet man sinnvoll ein Bücherregal?”

  1. Sebastian sagt:

    Liebe Anne,

    vielen Dank für diesen Artikel. Ich musste mittlerweile einsehen, dass das Vorhaben zu groß für einen Sonntagabend war. Habe den Lauf der Geschichte, der mich insbesondere unter medialen Gesichtspunkten sehr begeistert hat, noch einmal aus einer sehr persönlichen Perspektive in meinem Zweitblog festgehalten: http://autopoiet.tumblr.com/post/164847369/die-ordnung-der-buecher

    Besonderer Dank gilt Dir übrigens für den Hinweis auf das Krajewski-Buch! Das hatte ich völlig vergessen.

  2. Claudia sagt:

    Ein toller Beitrag!
    Dieses „nach Farbe sortieren“ eignet sich vor allem für Menschen, die ein ausgeprägtes visuelles Gedächtnis haben und sieht wunderschön aus, wenn man drum herum nur eine einheitliche Farbe hat. Ich empfehle es jeden, das unbedingt mal auszuprobieren!

  3. Ralf sagt:

    Liebe Anne,

    eine kleine Anmerkung ohne theoretischen Hintergrund, aber aus dem praktischen Alltag abgeleitet.

    Sind Kinder im Haushalt sollte man die unteren zwei Regalebenen nicht mit hochwertigen und schweren Büchern, sondern mit Kinderbüchern befüllen.
    So spart man nicht nur Zeit, sondern auch Tränen. 😉

    Ansonsten prima Tipps. An dem Abend als ihr dies über Twitter verhandelt habt dachte ich auch gerade an eine Umgestaltung unseres Buchbestandes, aber erst wenn wir mal wieder umgezogen sind. Oder gibt es auch noch prima Tipps zum Umzug mit der „Privatbibliothek“?

  4. R. Müller sagt:

    Da gibt es noch ein anderes Problem: den Staub. Der sammelt sich bevorzugt auf Büchern, und meine Bibliothek ist so groß, daß ich praktisch nicht mehr nachkomme. Wie machen denn das die großen Bibliotheken mit Millionen von Bänden? Werden die permanent mit dem Staubsauger bearbeitet? Bei empfindlicheren Büchern geht das übrigens gar nicht. Was tun?

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